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Posts mit dem Label "Movie Review" werden angezeigt.

Das ist kein Slutshaming, du notgeile Hure!

Im englischen Küstenkaff Littlehamptom ist die Bevölkerung Anfang der 1920er in heller Aufregung. Seit einiger Zeit bekommt Edith Swan (Olivia Colman) Briefe mit gar furchtbaren Inhalten. Unflätigste Beleidigungen werden dort gegen sie ausgesprochen. Ihr Vater (Timothy Spall) schäumt vor Wut und glaubt bereits die Missetäterin ausfindig gemacht zu haben. Es kann nur diese widerwärtige Irin Rose (Jessie Buckley) aus der Nachbarwohnung sein. Die Briefe passen nur zu gut zu dem Schandmaul, das sie den lieben langen Tag Gassi führt. Doch auch ihr sonstiger undamenhafter Lebenswandel ist dem erzkonservativen Edward Swan ein Dorn im Auge. Sie muss weg - und das möglichst schnell. Also erstattet Familie Swan Anzeige. Mit den anlaufenden Mühlen der Justiz kehrt jedoch nicht wie zu erwarten Ruhe ein, sondern die Situation eskaliert erst richtig. O tempora, o mores! Seit jeher projiziert die anonyme Masse, a.k.a. die Gesellschaft, ihre Moralvorstellungen und Erwartungshaltungen auf uns Individue...

Mörderisches Schafezählen

    Wenn Schafe eines nicht besonders gut können, dann ist es das Verarbeiten von Stressfaktoren. Anstatt zu Lernen mit der Situation umzugehen oder eine Lösung für ein Problem zu entwickeln, haben sie eine gänzlich andere Copingstrategie. Sollten sie etwas Verstörendes oder Traumatisches erleben, können sie sich bewusst dazu entscheiden die Erfahrung zu vergessen. Da sie in Herden leben, führen sie diese Fähigkeit daher im Kollektiv aus. Bevor jemand die Männer mit den weißen Jäckchen ruft, um mich abholen zu lassen: die Schafe im Film Glennkill sind zur gezielten Partielldemenz in der Lage.  Regisseur Kyle Balda liefert mit dem Schafskrimi seinen ersten Realfilm ab. Anhand der hohen Qualitat der animierten Tiere erkennt man seine Herkunft aus der Animationsschmiede Illumination (Minions, Der Lorax, Super Mario Bros. Movie). Die Erfahrungen, die er dort gemacht hat, werden bei der Adaption der Buchvorlage  aus der Feder von Leonie Swann hilfreich gewesen sein. Tech...

Wollmaus meiner Träume

Das Verhalten von Kindern kann uns Erwachsenen immer wieder aufs neue Rätsel aufgeben. Ihre Gehirne scheinen Apparaturen zu sein, die in erratischen Abständen das Verhalten randomisiert anpassen. Man weiß nie genau was als nächstes passiert. Meist ist es eher amüsant, manchmal muss man in Hektik ausbrechen, um Eigenverletzungen zu verhindern. Da kleine Kinder die meiste Zeit über ohnehin nicht ernst genommen werden, machen wir Erwachsenen uns selten weitere Gedanken über ihr aktuelles Verhalten. Ich kann jedoch verstehen, warum diese schwer einschätzbaren Wesen den einen oder anderen Zeitgenossen auch ein wenig gruseln können.  Nicht umsonst sind Kinder immer wieder Bestandteil oder Ursache des Horrors in Geschichten. Alma lehrte uns in Monolith Productions (R.I.P. an dieser Stelle) F.E.A.R. das Fürchten. Damien Thorne und Regan McNeil sind die handlungstreibenden Figuren der Klassiker Das Omen und Der Exorzist . Das Kind Carol Anne ermöglichte in Poltergeist  dem Monster ver...

Ocean's Animals

Da ich mich gerade im Urlaub befinde, will ich mich ausnahmsweise kurz fassen. Etwas kürzer als sonst zumindest. Hoffentlich. Moderne Animationsfilme haben es bei mir nicht leicht. Ich liebe die alte, handgezeichnete Variante, auch wenn dort nicht alles automatisch als gelungen bezeichnet werden kann.  Ja, das Gesinge in Disney Filmen geht mir meist  mächtig auf den Sack. Dafür werde ich dann mit den Stücken dazwischen entlohnt. Ein Königreich für ein Lama ist bis heute einer meiner liebsten Animationsfilme. Aus früheren Zeiten des Studios würde ich Basil, der Mäusedetektiv nennen. Etwas Nostalgie schwingt bei meinem ersten Kinobesuch natürlich mit. Die eine oder andere Luck Luke und Asterix Verfilmung befindet sich ebenfalls weit oben auf meiner Favoritenliste. Allein schon für den auch heute noch teils anarchischem Humor, der US Animation im Kino oft abging. Eine der wenigen Ausnahmen stellt Falsches Spiel mit Roger Rabbit dar, aber an der Stelle betreten wir ein Subgen...

Minimalinvasiver Ploteingriff

Paul (Jean Dujardin) beobachtet beim Schwimmen im Meer ein seltsames Wetterphänomen am Himmel und schrumpft in den darauffolgenden Wochen auf Däumlingsgröße. Dem Tierbesitzer wird schließlich seine eigene Katze zum Verhängnis. Ihm glückt zwar seine Flucht vor ihren verspielten Pfoten in den Keller. Dummerweise stellt die Treppe nach oben inzwischen ein für ihn unüberwindbares Hindernis dar. Er ist seitdem wie ein Schiffbrüchiger dort unten gefangen. Obendrein ist er nicht allein im Raum und seine Anwesenheit ist bereits bemerkt worden. Je weiter er schrumpft, umso schmackhafter wirkt er auf die heimische Hausspinne, die sich ebenfalls dort niedergelassen hat. Schon aus der Synopsis lässt sich der Grundplot in groben Zügen ableiten: Wir erleben die Geschichte einer Person, die erst ein Abenteuer überstehen muss, um das Problem in den Griff zu bekommen, das sie im Alltag belastet. Es handelt sich dabei um einen klassischen erzählerischen Kniff. Das Cover des Films unterstützt diese Erwar...

Old man yells at cloud?

  Ein seltsam gekleideter, älterer Mann (Sam Rockwell) taucht eines Nachts in einem vollen Diner auf. Den irritierten Gästen referiert er, dass er aus der Zukunft stamme. Die Menschheit sei zum Untergang verdammt und man glaubt es nicht: Dies ist die Nacht der Entscheidung! Denn ein neun Jahre altes Kind (Artie Wilkinson-Hunt) steht kurz davor die erste Allgemeine Künstliche Intelligenz (AKI) zu erschaffen, die unsere Spezies unter ihr Joch zwingen wird. Sein Auftrag lautet jedoch nicht die AKI zu verhindern, sondern sie mit einem Set von einschränkenden Regeln auszustatten. Diese sollen dafür sorgen, dass sie uns nicht feindlich gesinnt ist und unserem Wohl dienen wird. Für diese speziellste der Spezialoperation benötigt er Freiwillige aus diesem Diner. Allerdings wird es nur mit der richtigen Teamzusammenstellung gelingen. An der hat der alte Mann immer noch zu Tüfteln. Einhundersiebzehnmal hat es bereits versucht und ist ebenso oft gescheitert. Also erscheint er nun wieder zum B...

Viel Feind, viel Er!

Die Masters of the Universe Actionfiguren sind ein Testosteron durchtränkter Designalbtraum. Bei derart massiv ausgeprägten Muskelgruppen sollte ein Mensch nicht mehr in der Lage sein sich auch nur einen Millimeter in irgendeine Richtung zu bewegen, ohne sich dabei selbst zu behindern. Nun sind die Figuren und die Animationsserie (1983-1984), auf denen der aktuelle Kinofilm basiert, zugegebenermaßen Kinder ihrer Zeit. Dank Arnie, Carl Weathers, Dolph Lundgren, Sly, Bill Duke und vieler anderer Darsteller waren die Achtziger Actionfilme mit gestählten Körpern gesättigt. Die Plastikfiguren trieben diese Optik halt auf die Spitze. Kurz und gut: man konnte diesen Kappes schlicht nicht ernst nehmen, und besser als realistisches Militärspielzeug war es allemal.  Die MotU Serie war im Grunde nur eine Vermarktungsstrategie von Mattel. Sie bot zumindest einen losen erzählerischen Rahmen für die Kinder, die ihre Eltern in den Spielwarenladen scheuchen sollten. Man könnte sagen, dass sich Ma...

Game of Score

Lautes Gepolter und Wehklagen schallt des Nächtens durch das Heim des greisen Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Seine Diener eilen, zur späten Stunde aufgeschreckt, zu den Gemächern und finden ihn in seinem eigenen Blut liegend. Salieri wollte mit einem Schnitt in die Halsschlagader Selbstmord begehen. Sofort wird er ins Spital transportiert, von wo er wenige Tage später ins Irrenhaus verlegt wird. Ein Priester besucht ihn dort, um ihm die Beichte abzunehmen. Immerhin wussten die Diener zu berichten, dass er sich selbst mehrfach und lauthals des Mordes an Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) bezichtigt hatte, bevor er das Rasiermesser ansetzte. Antonio Salieri jedenfalls ist endlich bereit sich seiner Selbst zu stellen und der Priester wird zuhören müssen ... Biopics, insbesondere die über Musiker, erfreuen sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit. Ich finde sie meist äußerst fade - sogar wenn mir die Musik gefällt. Bohemian Rapsody konnte zwar mit der Musik von Queen aufwarten...

pugni e calci aglio e olio

  Manchmal kommen die angenehmsten Überraschungen aus der Richtung, die man nicht erwarten würde. Sei es ein deutscher Genrefilm, der überraschend witzig geschrieben ist wie Plan B, scheiß auf Plan A! , ein dystopischer Stop-Motion Film wie Mad God oder der wilde Genremix The Good, the Bad and the Weird aus Südkorea. Filme dieser Kategorie müssen keine Meisterwerke sein, laufen aber oft unter dem Radar und scheinen sich wie aus dem Nichts zu materialisieren. Entweder bereichern sie mit erfrischenden Ideen oder Inszenierungen die Leinwand - oder man hat sie dem Herkunftsland schlicht nicht zugetraut. Zu dieser Kategorie zähle ich den 2025 erschienenen Film The Forbidden City . Die Backpfeifen, Schwinger und Haken austeilenden Terence Hill und Bud Spencer ist man ja gewohnt, aber ein düsterer Martial Arts Film mit kompetenter Inszenierung aus Italien? Das hatte ich ehrlich gesagt nicht auf meiner Bingo Karte stehen. So etwas macht neugierig - und ich wurde nicht enttäuscht.  Zu...

Command to sleep!

Lehrer Ryland Grace befindet sich auf einer Selbstmordmission in den Tiefen des Alls. Eine interstellare Lebensform namens Astrophage hat unsere Sonne befallen. Diese geradezu biblische Plage entzieht dem Himmelskörper langfristig die Energie, wodurch die Erde in eine neue Eiszeit gestürzt werden wird. Da die Phagenplage nicht ein alleiniges Problem der Menschheit darstellt, sondern bereits zig andere Sternensysteme infiziert hat, trifft Grace an seinem Zielort auf ein zweites Raumschiff. Nach dem Erstkontakt mit der steinartigen außerirdischen Lebensform Rocky, müssen die beiden zunächst lernen miteinander zu kommunizieren bevor sie sich gemeinsam an die Entwicklung einer Heilung der Sonnengrippe begeben können. Zeitgeist Als Andy Weirs dritter Roman Der Astronaut (Project Hail Mary) im Frühjahr 2021 erschien, hatte ich besonders mit den Hard-Sci-Fi-Parts im All meine Freude. Die Geschichte von einer Sonneninfektion wirkte wie eine Aufarbeitung des Traumas von Jahr Eins der Coronapan...