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Posts mit dem Label "Movie Review" werden angezeigt.

Game of Score

Lautes Gepolter und Wehklagen schallt des Nächtens durch das Heim des greisen Antonio Salieri (F. Murray Abraham). Seine Diener eilen, zur späten Stunde aufgeschreckt, zu den Gemächern und finden ihn in seinem eigenen Blut liegend. Salieri wollte mit einem Schnitt in die Halsschlagader Selbstmord begehen. Sofort wird er ins Spital transportiert, von wo er wenige Tage später ins Irrenhaus verlegt wird. Ein Priester besucht ihn dort, um ihm die Beichte abzunehmen. Immerhin wussten die Diener zu berichten, dass er sich selbst mehrfach und lauthals des Mordes an Wolfgang Amadeus Mozart (Tom Hulce) bezichtigt hatte, bevor er das Rasiermesser ansetzte. Antonio Salieri jedenfalls ist endlich bereit sich seiner Selbst zu stellen und der Priester wird zuhören müssen ... Biopics, insbesondere die über Musiker, erfreuen sich in den letzten Jahren großer Beliebtheit. Ich finde sie meist äußerst fade - sogar wenn mir die Musik gefällt. Bohemian Rapsody konnte zwar mit der Musik von Queen aufwarten...

pugni e calci aglio e olio

  Manchmal kommen die angenehmsten Überraschungen aus der Richtung, die man nicht erwarten würde. Sei es ein deutscher Genrefilm, der überraschend witzig geschrieben ist wie Plan B, scheiß auf Plan A! , ein dystopischer Stop-Motion Film wie Mad God oder der wilde Genremix The Good, the Bad and the Weird aus Südkorea. Filme dieser Kategorie müssen keine Meisterwerke sein, laufen aber oft unter dem Radar und scheinen sich wie aus dem Nichts zu materialisieren. Entweder bereichern sie mit erfrischenden Ideen oder Inszenierungen die Leinwand - oder man hat sie dem Herkunftsland schlicht nicht zugetraut. Zu dieser Kategorie zähle ich den 2025 erschienenen Film The Forbidden City . Die Backpfeifen, Schwinger und Haken austeilenden Terence Hill und Bud Spencer ist man ja gewohnt, aber ein düsterer Martial Arts Film mit kompetenter Inszenierung aus Italien? Das hatte ich ehrlich gesagt nicht auf meiner Bingo Karte stehen. So etwas macht neugierig - und ich wurde nicht enttäuscht.  Zu...

Command to sleep!

Lehrer Ryland Grace befindet sich auf einer Selbstmordmission in den Tiefen des Alls. Eine interstellare Lebensform namens Astrophage hat unsere Sonne befallen. Diese geradezu biblische Plage entzieht dem Himmelskörper langfristig die Energie, wodurch die Erde in eine neue Eiszeit gestürzt werden wird. Da die Phagenplage nicht ein alleiniges Problem der Menschheit darstellt, sondern bereits zig andere Sternensysteme infiziert hat, trifft Grace an seinem Zielort auf ein zweites Raumschiff. Nach dem Erstkontakt mit der steinartigen außerirdischen Lebensform Rocky, müssen die beiden zunächst lernen miteinander zu kommunizieren bevor sie sich gemeinsam an die Entwicklung einer Heilung der Sonnengrippe begeben können. Zeitgeist Als Andy Weirs dritter Roman Der Astronaut (Project Hail Mary) im Frühjahr 2021 erschien, hatte ich besonders mit den Hard-Sci-Fi-Parts im All meine Freude. Die Geschichte von einer Sonneninfektion wirkte wie eine Aufarbeitung des Traumas von Jahr Eins der Coronapan...

Ihr seid ja alle Crank!

Jajaja, mordsmäßiger Joke, ich weiß. Den hat noch niemand gebracht, wenn es um Mark Nelvedins und Brian Taylors Brainrot-Actionfilmduett Crank geht. Zweitausendsechs und Neun kamen die ersten beiden Teile einer nie vollendeten Trilogie ins Kino, um die Zuschauenden auf High-Speed am Nasenring durch die Manege zu schleifen. Hach, es ist tragisch, dass wir nie das Ende dieser unglaublich epischen Handlung erleben werden.  Öhm, worum ging es eigentlich nochmal? Chev Chelios ist ein Profikiller, der sich mit den Falschen angelegt hat. Soweit so passend für das Jason Statham Portfolio aus ehemaligen Söldnern, Agenten und Freizeit-Ein-Mann-Armeen, die ihre Superkräfte mit dem Seepferdchenabzeichen beim DLRG, dem Verlaufen im Wald mit den Pfadfindern, dem Durchführen einer Rochade im Schachclub oder beim Mixen eines London Mule bei den Anonymen Knochenbrechern erworben haben. Irgendwie ist es passend, dass er sich bereits vor zwanzig Jahren selbst parodiert hat, also bevor er ein Klischee...

Rage Against The Machine

Yet again, it's time to watch a Klassiker of Kinogeschichte. Bevor es zu hart cringed, wenden wir uns ohne Umschweife Miloš Formans zweiten US-Film Einer flog über's Kuckucksnest  zu. Wie immer werfen wir bei den richtig alten Schinken einen Blick auf die Aktualität der verhandelten Themen und wie gut die Umsetzung gealtert ist. Also, kann dat wech oder is dat noch watchable? Der Film entstand in der Ära des New Hollywood (1967-1980). Nachdem der strenge Motion Picture Production Code durch ein Altersfreigabesystem ersetzt wurde, endete die auferlegte Epoche der Selbstzenur in Hollywood. Die gewonnene künstlerische Freiheit führte dazu, dass die Filme moralisch ambivalenter. düsterer und realistischer wurden. Endlich konnten Themen wir Sex, Gewalt und Politik, die für manche ohnehin ein und das selbe sind, ohne Maulkorb behandelt werden.  Sodenn haben wir hier einen Protagonisten, der kaum beispielhafter für diese Ära sein könnte: Randle Patrick McMurphy (Jack Nicholson) ist ...

Eine Prise für das Empire

  Während der sogenannten Napoleonischen Kriege (1800-1814) bekämpften sich Franzosen und Briten lange Zeit vor allem auf den Weltmeeren. Im Endeffekt handelte es sich um einen Krieg um Kolonien und somit auch Handelswege. Aus dieser Zeit stammen viele der Bilder, die fortan die Phantasie von Geschichtenerzählenden anregten: Große, mächtige Segelschiffe, Kanonenfeuer, brechende Masten, Kaperfahrten, Flauten, stürmische See, erbeutete Schätze, Breitseiten, Skorbut, Piraten und so weiter.   In dieser Ära ist auch Patrick O'Brians Aubrey-Maturin-Romanreihe angesiedelt. Captain Jack Aubrey und sein bester Freund, der Schiffsarzt Dr. Stephen Maturin, umsegeln im Auftrag ihrer Majestät die Welt, um den Willen des Empires auszuführen. Von 1969 bis 2004 erschienen 21 Romane, der letzte wurde posthum veröffentlicht. Der Reihe wird nachgesagt, dass sie historisch sehr akkurat statt romantisierend und vor allem für maritim Interessierte ein Fundus an Detailwissen sei. Da ich bislan...

Devotes Aufmucken

  Wer als Beifahrer auf einem Sozius (engl. Pillion) Platz nimmt, gibt alle Kontrollmöglichkeiten aus der Hand und legt das eigene Schicksal in die des Fahrers. Das Motorrad steht somit gleichzeitig für die allumfängliche Freiheit des Fahrers als auch für dessen Verantwortung über das Wohlergehen des schutzbedürftigen Begleiters. Damit befinden wir uns bereits mitten in der Handlung des Films Pillion von Harry Lighton. Der verloren und deplatziert wirkende Colin (Harry Melling) trifft nach einem Auftritt mit seiner Gesangsgruppe in einem Pub auf Ray (Alexander Skarsgård). Ein gestandener Mann. Ausgesprochen attraktiv, mit Gesichtszügen wie aus Stein gemeißelt, sich seiner äußeren Qualitäten bewusst und entsprechend selbstsicher in seinem Auftreten. Colin kann sein Glück nicht fassen, als sich ausgerechnet dieses Mannsbild mit ihm treffen will. Mit dem ersten, recht unkonventionell verlaufenden Date beginnt für Colin eine aufregende Zeit, in der er sich selbst und seine Bedürfnisse...

Französische Beißerchen

Vampire im Allgemeinen und Dracula im Speziellen sind Themen, die die Filmschaffenden immer wieder zu Tiefstleistungen anspornen. Es gibt einige wenige herausragende Umsetzungen, wie beispielsweise Bram Stoker's Dracula (1992) von Francis Ford Coppola oder Nosferatu (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau. Auch dessen Remake von Werner Herzog aus dem Jahre 1979 finde ich sehr gelungen. Das Meiste ist jedoch erstaunlich mid bis schrecklich unkreativ. Manchmal gönnt man sich eine neue Herangehensweise an den Stoff, was dann dem Vampirgenre einen guten oder zumindest interessanten Eintrag hinzufügt. Interview mit einem Vampir (1994), Fright Night (1985), Renfield (2023), Blade (1998) oder John Carpenter's Vampires (1998) würde ich zu dieser Art Vertreter zählen. Wenn man eine bekannte Geschichte neu interpretiert, sollte das zumindest auf einem Gebiet in einer besonderen Qualität geschehen. Opulente Ausstattung, ungewöhnliche Inszenierung, ein unerwarteter Blickwinkel, aus der ...

When 2 become 1

Wenn eine Beziehung endet wird oft der oder die Schuldige gesucht. Schließlich muss doch jemand die Ursache für das Scheitern sein! Oder nicht?  Es wird gern übersehen, dass für Wohl und Wehe einer Beziehungen immer alle Involvierten verantwortlich sind. An dieser Stelle klammere ich verlassene Prügelknaben, psychische Tricks anwendende Narzisten und dergleichen aus.  - Nur falls jemand in die Kommentare klugzuscheißen gedenkt. - Für die 08/15 Wald- und Wiesenbeziehung gilt die Prämisse. Oft ist mangelnde oder fehlerhafte Kommunikation eine der Hauptursachen für eine Trennung.   Wer nicht in der Lage ist die eigenen Bedürfnisse auszudrücken oder Probleme anzusprechen, um sie gemeinsam zu lösen, wird genausowenig glücklich werden, wie derjenige, dessen Fähigkeit Zuzuhören unzureichend ausgebildet ist. Fehlende Empathie mag auch noch dazukommen. Vermutlich stammt jedoch die eher aus der Unkenntnis des seelischen Innenlebens des Partners. Mancher hat womöglich Angst die...