Ein seltsam gekleideter, älterer Mann (Sam Rockwell) taucht eines Nachts in einem vollen Diner auf. Den irritierten Gästen referiert er, dass er aus der Zukunft stamme. Die Menschheit sei zum Untergang verdammt und man glaubt es nicht: Dies ist die Nacht der Entscheidung! Denn ein neun Jahre altes Kind (Artie Wilkinson-Hunt) steht kurz davor die erste Allgemeine Künstliche Intelligenz (AKI) zu erschaffen, die unsere Spezies unter ihr Joch zwingen wird. Sein Auftrag lautet jedoch nicht die AKI zu verhindern, sondern sie mit einem Set von einschränkenden Regeln auszustatten. Diese sollen dafür sorgen, dass sie uns nicht feindlich gesinnt ist und unserem Wohl dienen wird. Für diese speziellste der Spezialoperation benötigt er Freiwillige aus diesem Diner. Allerdings wird es nur mit der richtigen Teamzusammenstellung gelingen. An der hat der alte Mann immer noch zu Tüfteln. Einhundersiebzehnmal hat es bereits versucht und ist ebenso oft gescheitert. Also erscheint er nun wieder zum Beginn der Nacht der Nächte im Diner. Doch auch die AKI weiß von seinem Auftrag und wird ihm alles entgegenwerfen, um ihn daran zu hindern.
Der Eine oder die Andere wird einwerfen, dass KI doch inzwischen ein alter, abgenutzer Hut sei. Diese Personen vergessen leider, dass das, was heuer als Künstliche Intelligenz gelabelt wird, nicht viel mehr ist als ein Marketing Trick, um diese überkandidelten Such- und Ratemaschinen interessanter klingen zu lassen. Large Language Models oder kurz LLM wäre die korrekte Bezeichnung. Ja, es ist teils beeindruckend, welche Ergebnisse bei ausreichendem Einsatz von Tokens möglich sein können. Dennoch ist es nach wie vor so, dass die Antworten Buchstabe für Buchstabe und Pixel für Pixel ihrer Wahrscheinlichkeit nach zusammengeraten werden. Eine weitere Voraussetzung für brauchbare Ergebnisse: Ein um Fakes bereinigter, möglichst großer Lerndatensatz. Sobald der zugrunde liegende Datenspool, also das Wissen des LLM, mit Schund verschmutzt wurde, kann nur noch Müll aus den I/O-Ports verklappt werden. Nachvollziehbar. Wenn jemand nur über Erich von Dänikens Bücher "Informationen" über Astonomie und die Geschichte der Menschheit erfahren hat, wird diese Person keine sinnvollen, allgemeingültigen Aussagen zu diesen Themen treffen können.
Eine Allgemeine Künstliche Intelligenz (AKI) hingegen arbeitet vollkommen autonom und ist wie ein Mensch in der Lage jede intellektuelle Aufgabe zu verstehen und zu lernen. Sie ist kreativ und nicht nur ein in engen Grenzen agierender Automat, der nach einem Tritt gegen die Algorithmen einen mal mehr oder weniger passenden Rehash von bereits existierendem, gestohlenem Wissen oder geklauter Kunst hervorzuwürgen. Die AKI gilt seit Jahrzehnten als der Heilige Gral und je nachdem, ob man mit Investoren, CEOs oder Wissenschaftlern und Programmierern spricht, steht dessen Existenzwerdung kurz bevor oder ist in frühestens 50 Jahren zu erwarten.
Kreativschaffende, also atmende Fleischsäcke aus der Gattung der Langschweine, hält das nicht davon ab sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Fast immer endet das Experiment in einer Dystopie. Sei es der keine Genozid-Bot Skynet aus der Terminator-Reihe. Die Matrix, die die Menschen als Batterien missbraucht. Der Roboter Ultron aus dem zweiten Avengers Film, der nach fünf Minuten Internet beschloss, dass es genug ist mit dieser Menschheit. Wer kann es ihm verdenken?! Die Entität aus dem Roman Die Tyrannei des Schmetterlings von Frank Schätzing rottet über die Grenzen der Multiversen hinweg unsere Spezies aus, um das Ökosystem der Erde zu retten. In der Serie Person of Interest wiederum kabbeln sich zwei AKIs namens Maschine und Samaritan um die Seelen bzw. Kontrolle der Menschen.
Nun muss man offen zugestehen, dass die fiktiven Geschichten einen Konflikt benötigen, um Spannung zu erzeugen. Sonst wäre es auch langweilig. Aus den düsteren Plots sollte man also nicht leichtfertig auf eine zu erwartende Zukunftsvision schließen. Jede neue Technologie ist zunächst neutral zu betrachten. Die Art ihres Einsatzes bestimmt über Prädikate wie gut, schlecht oder sinnvoll und unsinnig. Das Missbrauchspotential bei einer derart mächtigen Technik ist jedoch sehr hoch. Wenn herkömmliche LLMs bereits in der Lage sind Schwachstellen in Betriebssystemen zu analysieren, kann man sich vorstellen wie ein kreativ agierendes, unreglementiertes AKI handeln könnte. Und hierin besteht das grundlegende Problem.
Im Silicon Valley herrscht traditionell folgende Mentalität: Move fast and break things! Technologieoffenheit ist ihr Gebet und Deregulierung ihr Amen. Tatsachen schaffen steht in deren Zehn Geboten vermutlich auf Platz Eins noch vor Desinformation is King. Solange sich die Gesetzgeber nur mühsam der rasanten Entwicklung hinterher schleppen können, setzen sich diese Demokratie erodierenden Plagen überall durch. Wo sie können zerschlagen sie Märkte, lobbyieren die Regierungen weich, bauen gesetzliche Hürden ab oder verhindern sie, kaufen Mitbewerber links und rechts des Weges auf und akkumulieren Vermögenswerte, die derart obszön sind, dass es eigentlich ein Straftat darstellen müsste.
Bin ich wegen dieser Gedanken automatisch als technologiefeindlich einzustufen oder bin ich nur vorsichtig, weil ich mich intensiv mit der Techbros-Szene beschäftigt habe? Ich liebe neue technische Spielereien, probiere gern Neues aus und ja, ich habe auch mit LLMs ein wenig experimentiert. Ich will also nicht generell den Bannstab über diese Technologie brechen. Erst recht nicht über ein theoretisches AKI.
Mich beunruhigt eher das Mindset, das in den Chefetagen vorherrscht. Diese Leute haben nämlich ebenfalls die dystopischen Filme gesehen und kennen die passende Literatur dazu. Weltuntergangsphantasien und das Schmieden von Fluchtplänen auf künstliche Inseln, unter die Erde oder in die Weiten des Alls sind in dieser Bubble keine Seltenheit. Ein Peter Thiel hat in einem Interview im Grunde zugegeben, dass die Menschheit es nicht wert ist, gerettet zu werden. Seine Antwort lautete am Ende zwar "Ja!", aber offensichtlich wägte er in der sehr langen Pause nach der Frage ab, was die unproblematischste Replik für ihn wäre. Es blieb ja auch nicht bei der einen fragwürdigen Aussage. Inzwischen hat der Mann ein regelrechtes Rabbit Hole gegraben.
Diese Typen wähnen sich teilweise bereits in der erwarteten Endzeit und planen mit dem Scheitern unsrer Spezies. Darum haben sie auch an Umweltschutz, Demokratie und Krisenbewältigung kein Interesse. Wenn man sich in dieser Situation wähnt, ist das alles nämlich Ressourcenverschwendung. Geht doch eh alles in die Binsen. Da bereiten sich diese Dudes lieber gleich auf die Apokalypse vor, um in ihren Festungen sicher zu sein. Tragischerweise befördern diese Schwarzen Löcher für Humanismus und Ethik mit ihrem Überreichtum sogar noch die Entwicklung Richtung Untergang. Es ist fast wie eine sich selbst erfüllende Prophezeihung. On top kommt in diesem Szenario, dass diese Knallchargen die Gestalt ihres neuen "Gottes" aktiv formen. Die entstehenden Produkte der KI-Forschung sind also potentiell bereits bei Release vergiftete Brunnen. Papst Leo XIV. formulierte sein Verständnis der aktuell existierenden Technologie in seiner Enzyklika Magnifica Humanitas treffenderweise so: "Konkret betrachtet aber ist sie [also KI] nicht neutral, weil sie die Züge derer annimmt, die sie konzuipieren, finanzieren, regulieren und nutzen."
Wir Normies spielen im Endgame der Broligarchen übrigens keine Rolle. Wir sind nicht reich, gehören damit nicht Teil der Elite und sind somit nicht würdig. Bestenfalls stellen wir Verfügungsmasse auf dem Weg zum Endspiel dar. Und mir soll wohl in meiner Haut sein beim Gedanken, solche Spinner könnten eine derart mächtige Technologie kontrollieren?
Ähnlich ging es wohl Gore Verbinski. Der 62-jährige Regisseur fällt allein vom Alter her schon in die verdächtige Gruppe der pauschalen Fortschrittsgegner. Ist er also der Old Man aus dem Meme, auf das ich im Titel Bezug nehme? Das Urteil würde ich nicht pauschal unterschreiben wollen. Wenn es beispielsweise um Special Effects geht, hat der Herr der Karibikfilme seine Zuneigung zu technischem Schnickschnack mit vielen seiner Filme unter Beweis gestellt. Eine wachsende Skepsis und ein gewisses Unwohlsein kann man seinem neusten Film Good Luck, Have Fun, Don't Die allerdings durchaus attestieren.
Im Trailer wird der Eindruck erweckt, dass Verbinski das Konzept von Und täglich Grüßt das Murmeltier erzählerisch aufgreifen zu wollen. Wer das befürchtet, kann aufatmen. Die Zuschauenden begleiten lediglich diesen einen, vermulich letzten Versuch des Mannes aus der Zukunft, um das Kind aufzuhalten. Herausgekommen ist ein sehr düsterer, schwarzhumoriger Film, der unter einigen Pacingproblemen in der ersten Hälfte leidet. Die wenigen Rückblenden erfüllen ihren Zweck, hätten aber durchaus gestrafft werden können. Teilweise entwickelt der Humor sogar Satirecharakter, was mir besonders gut gefallen hat. Der Kommentar im Metatext mag zuweilen zynisch sein, nimmt aber Fehlentwicklungen durchaus pointiert aufs Korn. Seien es Schüler, die über die Algorithmen ihrer Smartphoneapps in willenlose Zombies verwandelt werden oder Klone, die man von Kindern erstellen lässt, wenn sie in einem der vielen Schulamokläufe ums Leben gekommen sind. Die Option, die Klone gelegentlich Werbung sprechen zu lassen, macht die Technik auch für den kleinen Geldbeutel interessant. Und dass man die missratene Brut auch noch im Wesen anpassen kann, ist die Kirsche auf der Torte. Wozu also das alte Kind wieder zurückhaben wollen, wenn das neue viel cooler ist? Da wär man ja blöd.
GL,HF,DD greift die Angst auf, beim Fortschritt unter die Räder zu kommen. Im aktuell stattfindenden globalen Transformationsprozess ist diese Befürchtung weder verwunderlich noch unbegründet. Der Film greift die Furcht auf, verwandelt sie aber in Aktion statt Apathie. Viele der Dinergaste haben sich teils mehrfach auf die Mission begeben und beweisen so ihren Willen das Leben aktiv gestalten zu wollen. Sie sehen ja, wie ihre Mitmenschen sich verändert haben, wie sie unempathischer werden und der Wert des einzelnen Lebens merklich gesunken ist. Wer unangepasst ist, also zur alten Welt gehört ist nervös und ängstlich.
Dabei nutzt die AKI im Film so wie die Algorithmen von Social Media Plattformern in der echten Welt unsere Schwächen gegen uns aus. Aktuelle Studien können zwar keinen direkten Zusammenhang zwischen Social Media und sinkender Empathie belegen. Was das Steuern unserer Werte, der aktuellen Themen und wie wir über sie denken, angeht, ist die Kontrolle oder zumindest der Versuch darüber hingegen schon recht gut belegt. Wenn Verbinski die Schüler in geistlose Roboter verwandelt, die in Selfiepose auf Lehrerjagd gehen, macht er in der Überspitzung jedoch einen unterhaltsamen Punkt.
Am treffendsten ist jedoch der Mittelfinger in Form eines neunjährigen Kindes gelungen. Der glatzköpfige Junge programmiert die AKI, sitzend auf einem Berg aus Kabeln. Machtgeil, verantwortungslos, kühl kalkulierend und manipulierend steht es als Avatar für Tech-Bros wie Zuckerberg, Musk und Thiel. Diese Männer, und ja, es sind bislang nur Männer, benehmen sich wie Kinder, die mit einer Gabel am Zündkopf einer Atombombe herumspielen. Wehe jedem, der im Explosionsradius verweilt, wenn sie es doch einmal schaffen sollten, die Zinken unter die Abdeckung zu schieben!
Andererseits: Bei der beschissenen Netzabdeckung hierzulande und teilweise noch auf antiken Windows-Versionen laufenden Kommunen, sollten wir soweit in Sicherheit sein.

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