Manchmal kommen die angenehmsten Überraschungen aus der Richtung, die man nicht erwarten würde. Sei es ein deutscher Genrefilm, der überraschend witzig geschrieben ist wie Plan B, scheiß auf Plan A!, ein dystopischer Stop-Motion Film wie Mad God oder der wilde Genremix The Good, the Bad and the Weird aus Südkorea. Filme dieser Kategorie müssen keine Meisterwerke sein, laufen aber oft unter dem Radar und scheinen sich wie aus dem Nichts zu materialisieren. Entweder bereichern sie mit erfrischenden Ideen oder Inszenierungen die Leinwand - oder man hat sie dem Herkunftsland schlicht nicht zugetraut.
Zu dieser Kategorie zähle ich den 2025 erschienenen Film The Forbidden City. Die Backpfeifen, Schwinger und Haken austeilenden Terence Hill und Bud Spencer ist man ja gewohnt, aber ein düsterer Martial Arts Film mit kompetenter Inszenierung aus Italien? Das hatte ich ehrlich gesagt nicht auf meiner Bingo Karte stehen. So etwas macht neugierig - und ich wurde nicht enttäuscht.
Zu allererst muss ich mal wieder den geänderten Titel für Teutonen anprangern - ein leidiges, wiederkehrendes Segment, aber ich kann nicht anders. Welcher mental verstorbene BWL Student im allerletzten Semester hat auf Kung Fu in Rome bestanden? Der Titel ist so beknackt, man könnte eine Klamotte aus den 90ern vermuten. Humor hat Forbidden City jedoch nur in schmalen Dosen aufzuweisen. Es wird düster, brutal und ziemlich ätzend, wenn man die Themen des Films betrachtet. Taken Jane Wick würde die Zielgruppe korrekter adressieren, wäre immer noch doof, aber deutlich näher am Thema. Oder man bleibt gleich beim "originalen" englischen Titel.
OK, nachdem wir das hinter uns haben, ein paar Worte zur Handlung. Mei (Yaxi Liu) kommt nach Rom, um nach ihrer Schwester Yun zu suchen. Die ging im chinesischen Viertel verschwunden, genauer gesagt im Restaurant La città proibita (Titledrop!), wo der schmierige Wang (Chunyu Shanshan) das Sagen hat. Neben asiatischen Speisen werden hier noch Glückspiel und Prostitiution auf der Karte angeboten; eventuell auch noch ein wenig Menschenhandel als "Gruß aus der Küche". Irgendwie scheint obendrein Alfredo, der Besitzer eines italienischen Restaurants, in die Angelegenheit verwickelt zu sein. Doch Alfredo (Luca Zingaretti) ist ebenfalls vom Erdboden verschwunden. Ein Umstand, der Mei dazu zwingt, auch seinem Sohn Marcello (Enrico Borello) auf die Pelle zu rücken...
Regisseur Gabriele Mainetti liefert mit The Forbidden City einen optisch ansprechenden Actionfilm ab, der sich lediglich an seiner Vermischung mit den Genres Familiendrama, Romanze und Mafiafilm ein wenig verhebt. Diese Parts sind weder schlecht geschrieben noch geschauspielert, bremsen jedoch das Tempo immer wieder unnötig aus. Zumindest auf den Subplot mit Gangster Annibale (Marco Giallini) hätte man zugunsten des Pacings gut und gern verzichten können.
Dennoch kann ich das italienische Blutgericht Freunden von zünftiger Klopperei wärmstens empfehlen.

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