Die Masters of the Universe Actionfiguren sind ein Testosteron durchtränkter Designalbtraum. Bei derart massiv ausgeprägten Muskelgruppen sollte ein Mensch nicht mehr in der Lage sein sich auch nur einen Millimeter in irgendeine Richtung zu bewegen, ohne sich dabei selbst zu behindern. Nun sind die Figuren und die Animationsserie (1983-1984), auf denen der aktuelle Kinofilm basiert, zugegebenermaßen Kinder ihrer Zeit. Dank Arnie, Carl Weathers, Dolph Lundgren, Sly, Bill Duke und vieler anderer Darsteller waren die Achtziger Actionfilme mit gestählten Körpern gesättigt. Die Plastikfiguren trieben diese Optik halt auf die Spitze. Kurz und gut: man konnte diesen Kappes schlicht nicht ernst nehmen, und besser als realistisches Militärspielzeug war es allemal.
Die MotU Serie war im Grunde nur eine Vermarktungsstrategie von Mattel. Sie bot zumindest einen losen erzählerischen Rahmen für die Kinder, die ihre Eltern in den Spielwarenladen scheuchen sollten. Man könnte sagen, dass sich Mattel mehr Mühe damit gab die Jungs für ihren Plastikschrott zu begeistern als mit den Barbiepuppen aus gleichem Haus die Mädels. Verfilmte Geschichten um Barbie kamen erst ab den 2000ern hinzu. Stumpf, ein bissel peinlich und extrem cheesy sind die Adjektive, die die MotU-Show ganz gut zusammenfassen. Spaß hats wahrscheinlich gerade deshalb gemacht.
Die Actionfiguren werden gerne ins Feld geführt, wenn mal wieder die Darstellung von weiblichen Schönheitsidealen anhand von Barbiepuppen und anderen Erzeugnissen kritisiert wird. "Ja, wir Männers bekommen doch auch unter die Nase gerieben wie wir auszusehen haben.", ruft da manches Dreibein in beplauztem T-Shirt aus.
Das Argument ist so naheliegend wie schwach. Exakt wie bei der geradezu schon beleidigten Replik, dass die Frauen bei Actionfilmen mit Sarah Connor und Ellen Ripley doch bereits so positiv vertreten seien, muss man anmerken, dass das bis heute einige der wenigen erfolgreichen Ausnahmen von der Regel sind. Außerdem macht es einen Unterschied, ob ein Schönheitsideal mittels Essstörung, pardon Abnehmen, und Operationen prinzipiell erreichbar ist oder ob das Aussehen einer Testosteronkarikatur zur Blaupause deklariert wird. Letzteres wurde nie gesellschaftlicher Standard. Wer natürlich ein Minimum an Körperpflege, Augenmaß bei der Nahrungsaufnahme und Klamottenwahl rundweg ablehnt, braucht sich nicht zu wundern, wenn es mit der Anziehungskraft hapert. Das dann auf die Bodybuilderriege in Hollywood und gezeichnete Muskelprotze zu schieben ist ziemlich billig.
Der Barbiefilm von Greta Gerwig hatte zwar einige nette Ideen zu bieten, war mir dann aber doch zu scheinheilig in seiner neoliberalen Message. Das Etikett Feminismus galt hier schließlich nur für die oberhalb des Median verdienenden Doppel-X-Chromosomenträger. Grund genug ein Auge auf die Message der Spielzeugverfilmung der Jungs zu werfen. Wie positioniert sich MotU in Zeiten von Incels, Gigachads, Alpha Males und Stacys? Wird man genötigt die Rote Pille des Manosphere-Unfugs zu schlucken oder umschifft Regisseur Travis Knight dieses Thema geschickt?
Der größte Checker von Eternia ist Adam (Nicholas Galitzine) jedenfalls nicht. Obwohl offensichtlich durchtrainiert, gilt er als der offizielle Lauch des Films. Ein heimatloser Lauch, um genau zu sein, der seinem Date die traurige Herkunftsgeschichte erzählt. Als er Zehn war überfiel Skeletor (Jared Leto) die heimatliche Stadt und murkste seine Eltern ab. Die Zauberin (Morena Baccarin) von Castle Grayskull half ihm noch in letzter Sekunde durch ein Portal auf die Erde zu entkommen. Dort sollte er in Sicherheit warten und auf das Schwert der Macht aufpassen. Zu blöd nur, dass er es schon bei der Ankunft verloren hatte. Selber schuld, wenn man einen Minderjährigen ohne Begleitung losschickt. Das Vorhaben war zum Scheitern verurteilt. Eine Dekade später ist Adam ein deprimierter Angestellter und sucht immer noch nach der magischen Waffe. Nervös, schüchtern und absolut unsicher laviert sich der junge Mann durchs Leben und bekommt nur wenig gebacken. Das ändert sich, als Iro Lauchigkeit das Schwert wieder in die Gichtgriffel bekommt und nach Eternia zurückkehrt. Dort muss er lernen die Mächte des Schwerts freizusetzen, um sein Volk von Skeletors Herrschaft zu befreien.
Aus der absurden Grundprämisse mit alles verkloppenden Megamännern eine Lauch-out-of-the-Garden-Story mit viel Comedy zu entwickeln, war definitiv nicht die schlechteste Idee. Adam ist freundlich, hilfsbereit und versucht Konflikte kommunikativ zu lösen - sogar als quasi unbesiegbarer He-Man. Ja, das ist ohne Zweifel grotesk im Kampf gegen einen Nekromanten, aber funktionierender Teil der Humorformel.
In MotU geht es darum über sich selbst hinauszuwachsen, indem man an sich und die eigenen Fähigkeiten glaubt. Es mag eine banale und etwas kitschige Message sein, es ist aber auch eine positive. Adam besitzt zwar einen erwachsenen Körper, doch sein Charakter muss ihm erst noch nachfolgen. Eine Figur, die auf diesem Weg Unsicherheit, Zweifel und eine gewisse Verlorenheit zum Ausdruck bringt, hat durchaus das Potential zur positiven Identifikation mit den Zuschauenden, zumal er sehr sympathisch von Galitzine dargestellt wird. Die Message ist universell lesbar und nicht exkludierend, was dazu führt, dass MotU in diesem Punkt vor Barbie liegt. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch, auf den werde ich jedoch am Ende zurückkommen.
Adams Charakterisierung dürfte die Influencer der Manosphere-Szene nicht gerade ins Jubeln ausbrechen lassen. Immerhin bekommt Adam selbst nach seiner Verwandlung in den Megamaxigigachad He-Man das Mädel nicht ab. Obendrein wird er deshalb nicht gleich toxisch, sondern findet sich mit seinem Korb ab. Wie ein vernünftiger Mensch! Bösewicht Skeletor entspricht da eher schon einem Andrew Tate Verschnitt. Bei der Schädelfresse musste ich direkt an Bone Smashing und anderen Blödsinn aus der Looksmaxxer Bubble denken.
Zur abstrusen Erzählung gehört übrigens auch der Umstand, dass Adam bereits zu Beginn trainiert aussieht. In der Verwandlung zu He-Man musste man dem Schauspieler erstmal per CGI die Muskeln wegnehmen, um sie ihm dann wieder wachsen zu lassen. Das war so doof, ich habs gefeiert.
Die überraschungsarme Geschichte wird gradlinig erzählt und beschränkt sich in der Anzahl ihrer Sets. Wir haben also nicht das Problem der letzten Star Wars Trilogie, bei der man den Eindruck gewann, man würde mit einem Besen eilig von Set zu Set gekehrt ohne mal innezuhalten zu können. Man verlor schneller die Orientierung als eine dauerstracke Band im Tourbus. Leider sind viele Szenen länger als gut für sie ist. Der gesamte Abschnitt auf der Erde zieht sich, obwohl er nur einen kleinen Teil der Handlung ausmacht. Es werden Erzählstränge aufgebaut, die weder weiter geführt noch zu einem Abschluss gebracht werden. Dazu zählt der gesamte Hustle auf der Arbeit sowie die Geschichte um Adams Mitbewohner, der sich dafür schämt Schnulzen zu schauen.
Zudem leistet sich der Film ein Asset, das mir inzwischen maximal auf die Nerven geht: Irgendjemand der Autoren hatte während eines kreativen Schlaganfalls die grandiose Idee in MotU Awkward-Silencene-Humor mit ordentlich ausgeprägtem Fremdschämpotentail einuzbringen und obendrein noch die abgenutzte Marvel-Kiste mit Sprüchen über dem Skript auszukippen. Der erste Part funktioniert ungefähr so: eine der Figuren sagt oder tut etwas Wirres/Peinliches/Irritierendes, weshalb die anderen alle betreten gucken und abwarten wie die anderen reagieren. An diesen Stellen soll das Publikum durch einen angetäuschten Bruch der Vierten Wand abgeholt werden. "Komm, das findest du doch auch beknackt, oder? Hi, hi!" Zum einen funktioniert Brechstangenhumor (fast) ausschließlich bei Slapstik (siehe Fachliteratur aus der Abteilung: "Football in der Leiste") und zum anderen bricht dieses Stilmittel immer mit der Immersion und gibt mir als Zuschauer das Gefühl doof zu sein. Schließlich winkt man mit dem gesamten Zaun, um mir mitzuteilen, dass etwas gerade ganz dolle witzig gewesen sein soll.
Immer dann, wenn im Skript die Absurdität der Vorlage vollumfänglich akzeptiert wird und man sich schlicht dem Unfug, mit dem man zu Arbeiten hat, ergibt, wird MotU richtig lustig. Die Vorlage ist das Ergebnis aus einer Karambolage von Flash Gordon mit dem Barbaren Conan und einer Zielgruppenanalyse wie man kleinen Jungs übdreht aussehendes Spielzeug verkauft. Beknacktheit ist ein inhärenters Identitätsmerkmal der Marke. Man muss sich nur mal die Kostüme anschauen. Das ist Trash pur! OK, es ist Trash für mehr als 170 Mio US $, aber inhaltlich kann es seine Ursprünge nicht verhehlen. Und das ist gleichzeitig ein Problem. Für welche Zielgruppe wurde der Film gemacht? Weder die alten Fans noch die junge Generation werden hier konsequent adressiert. Irgendwie steht MotU zwischen den Stühlen und will allen etwas bieten und spricht am Ende keinen richtig an. Dabei könnte man allein durch das Wegschneiden von ganzen Szenen und Kürzung von Sequenzen um zehn bis fünfzehn Minuten, den Film massiv aufwerten. Die dadurch sicherlich entstehenden Plotholes würden in so einem Skript auch nicht mehr stören.
Während die optische Qualität stark schwankt, kann der Heavy Metal Soundtrack über die oftmals erschreckend flachen Bilder ein wenig hinwegtrösten. An der Gitarre war sogar Altmeister Brian May von Queen am Start . Dass MotU mit sehr kontrastreichen Farben aufwarten kann, hat mir gefallen. Gerade im Vergleich zu den gebauten Kulissen und in der realen Welt gedrehten Szenenanteilen fällt der Einsatz von Greenscreen und StageCraft negativ auf. Mit der beste Effekt war Skeletor, der unerwartet zu meinem liebsten Element im Film aufstieg. Jared Leto orientiert sich strikt an der Vorlage und spielt ihn so drüber, wie man den alten Nekromanten kennt.
Als interessante Nebeninformation ist anzumerken, dass nach dem Barbenheimer Phänomen von 2023, dieses Jahr wieder ein Mattel Film und ein neuer Streifen von Christopher Nolan (Odyssee) im Kino laufen. Dieses mal blieb jedoch eine willkürliche Titelkombination wie damals aus. Ich hoffe, dass das nicht bedeutet, dass beide Filme an der Kasse floppen werden - so wie es Masters of the Universe gerade vormacht.
Ich hatte bereits einen Wehrmutstropfen erwähnt. In einer ruhigen Minute, in der sich Duncan (Idris Elba) und Adam im Wald unterhalten, gibt Man-At-Arms dem Jungspund noch eine Weisheit über das Soldatendasein mit auf den Weg, die komplett aus dem Nichts kommt und nur mittels viel um die Ecke denken und Hühneraugen zudrücken mit dem restlichen Plot in Verbindung gebracht werden kann. "Soldaten kämpfen nicht! Sie beschützen ihre Familie!" Moment mal, es ging doch bis eben noch um Selbstfindung, Anerkennung und Akzeptanz. Was sollte denn das nun wieder? Ich fühlte mich ein wenig an Der Astronaut erinnert, dessen Handlung jedoch konsequent um die Glorifizierung des soldatischen Opfers herum aufgebaut worden war. In MotU hingegen wird das Thema wie ein Knochen in den leeren Zwinger geworfen.
Dann fiel mir wieder ein, dass sowohl Der Astronaut als auch Masters of the Universe von Amazon MGM produziert wurden. Zwei Blockbuster binnen weniger Monate von einem Studio mit positiven Botschaften über die Armee. Wahrscheinlich ist es Zufall, aber vielleicht sollten wir in Zukunft ein Extraauge auf die Filme von Amazon und MGM werfen.
Nur für den Fall der Fälle.

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