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Posts mit dem Label "Thriller" werden angezeigt.

Lifestyle Teilzeithelden

Nachdem ich vor einiger Zeit bereits ausführlich über die Apple TV Serie Slow Horses berichtet habe, kam inzwischen eine weitere Serie basierend auf Romanen des Autors Mick Herron heraus. Ebenfalls bei Apple TV läuft Down Cemetery Road , benannt nach dem ersten Roman der vierteiligen  Zoë Boehm Reihe. Die erschien von 2003-2009, also noch vor der weiterhin laufenden Slow House Buchserie (ab 2010). Nachdem dort auch Staffel fünf wieder furios abgeliefert hat, hatte ich entsprechend hohe Erwartungshaltungen bezüglich Down Cemetary Road . Zu einem guten Teil wurden diese auch erfüllt. Zoë Boehm (Emma Thompson) ist eine Privatdetektivin, deren Ehemann Joe Silverman (Adam Godley) mehr schlecht als recht die gemeinsame Detektei leitet. Eines Tages taucht Sarah Trafford (Ruth Wilson) dort auf. Anstatt wie üblich einem untreuen Ehemann nachspionieren zu lassen, hat sie ein ungewöhnliches Anliegen. Nach einer Gasleitungsexplosion in Sarahs Viertel kamen die Eltern eines kleinen Mädchens um...

Wenn der Kadaver künstlich beatmet wird

High-Concept beschreibt eine Filmidee, die sich kurz und prägnant in einem Satz zusammenfassen lässt. Dadurch lassen sich diese Ideen sehr einfach pitchen. Tiefgehende Charakterentwicklungen oder eine komplexe Handlung stehen einer spannenden, visuell interessanten Umsetzung der simplen Grundidee hintan. Ein Cop bekämpft an Weihnachten Terroristen in einem Hochaus.  oder Agenten einer geheimen intergalaktischen Einreisebehörde versuchen die Existenz von Aliens geheim zu halten.  wären solche Ideen. Im besten Fall fängt der Titel des Films das zugrundeliegende Konzept ebenfalls ein. Jaws , Ghostbusters oder Nightmare on Elm Street wären Beispiele hierfür.  Natürlich existiert auch ein Gegenstück zu dieser Prämisse. Der Low-Concept-Film will die Zuschauenden vor allem über Charakterentwicklungen, atmosphärischen Aufbau und thematischen Tiefgang fesseln.  Matt Reeves letzter Eintrag in das Batman Franchise wäre ein Beispiel für Low Concept. Während man einwenden kann,...

Einsamer Wolf im Traumschwund

Auch wenn sich die Lebensjahre langsam aber sicher bedrohlich aufeinander stapeln, wird die Liste der ungesehenen Filme nicht kürzer. Also keine Müdigkeit vorschützen: heute begeben wir uns zum Ende der Ära des New Hollywood und nehmen Michael Manns ersten Kinofilm Thief  (dt. Der Einzelgänger) von 1981 in Augenschein.  Frank (James Caan) saß über eine Dekade ein. Zunächst zwei Jahre wegen eines Raubüberfalls, bei dem er die unglaubliche Summe von vierzig Flocken erbeuten konnte, dann nochmal zusätzliche neun Jahre für einen Totschlag aus Notwehr, den er im Knast beging. Diesem Mann ist nichts geschenkt worden und er ist immer dann am besten dran gewesen, wenn er einfach nur existierte. Damit ist der Zustand gemeint, in dem es ihm egal ist, ob er tot oder lebendig ist, weil er dann nichts mehr zu verlieren hat. Nun in Freiheit wünscht er sich ein bürgerliches Leben mit Frau und Kind, aber frei von finanziellen Sorgen. Diesen Traum beginnt er nach seiner Entlassung in die Tat u...

Machine Head und der Irrelevanten-Report

Wann immer etwas Schreckliches auf der Welt geschieht, stellen die Menschen die nachvollziehbaren Fragen nach dem Wer, Warum und Wieso hat man das nicht verhindert? Gerne wird im Zuge der öffentlichen Diskussion dann der Ruf nach mehr Polizei laut. Die fordert im Anschluss selbstredend, wie viele oftmals sehr konservative Politiker, mehr Ausrüstung zur Überwachung der Bevölkerung ein. Grundrechte sind dabei natürlich im Weg. Besonders wenn wie bei uns anlassloses Datensammeln verboten ist. Über die Qualität der Umsetzung dieses Grundsatzes darf an dieser Stelle freilich diskutiert werden. So nutzen einige Bundesländer bereits Software von Palantir, um große Datenmengen in Ermittlungen auszuwerten. Stellt sich an dieser Stelle die Frage, wo die Daten herkommen und ob deren Vorhaltung überhaupt rechtens ist.  Ich schreibe diese Zeilen übrigens zu einem Zeitpunkt, als man mal wieder die Vorratsdatenspeicherung aus dem Grabe schleift und implementieren will. Man kann ja nur dagegen sei...

Beached at a Local's Beach

Als der Surfer (Nicholas Cage) nach vielen Jahren mit seinem Sohn aus den USA in seine alte Heimat in Australien zurückkehrt, muss er feststellen, dass inzwischen eine Surfersekte das Sagen hat. Nur Einheimische dürfen am Strand seiner Jugend surfen und Er ist kein Einheimischer. Somit wird dem Surfer sein Wunsch versagt. Diese Demütigung sitzt tief, zumal er das alte Haus seines Großvaters kaufen will, um wieder zu Hause leben zu können. Irritierenderweise steht die Finanzierung plötzlich auf der Kippe. Da der Surfer ein beharrlicher alter Mann ist, bleibt er gegen alle Widrigkeiten, nimmt den Kampf gegen die Sekte auf und droht dabei sich selbst zu verlieren. Lorcan Finnegans ( Vivarium, Nocebo ) neuster Film wird als Mystery-Thriller gelistet. Eine Kategorisierung, die ich für grundlegend falsch halte, auch wenn Aspekte dieser Genres in The Surfer zu finden sind. Im Grunde handelt es sich um eine satirische Abrechnung mit evangelikalen Sekten.  Es wird eine strikte Trennung zwi...

Waffenfähiges Grundschulmaterial

Eines Nachts stehen 17 Kinder einer Grundschulklasse um 2:17 auf, verlassen ihre Heime, laufen in die finstere Nacht hinein und waren nie wieder gesehen. Am folgenden Morgen taucht nur ein Schüler in Justine Gandys (Julia Garner) Klasse auf. Alle anderen Stühle bleiben leer. Die Kleinstadt Maybrook, Pennsylvania ist traumatisiert. Alle suchen verzweifelt nach den Kindern und Antworten. Einige aufgebrachte Eltern sehen sofort eine Schuldige: Lehrerin Gandy. Eine Hexenjagd nimmt ihren Anfang und der Horror einer spießigen Kleinstadtgesellschaft entfaltet sich. Allen, die Spaß an Thrillern mit Mystery- und Horrorelementen haben, kann ich Weapons nur wärmstens ans Herz legen. Allerdings muss ich eine kleine Warnung aussprechen, weil der Film häufig als reiner Horrorfilm verkauft wird: der Film ist spannend, hier und da auch gruselig, aber Horror ist nur in geringen Dosen darin. Daher können auch Leute, die um Horrorfilme einen großen Bogen machen zugreifen. Sogar ich hab mich im Kino nich...

Ein Stall voller erschossener Pferdchen

  Nachdem ich in den letzten Wochen wieder ganz böse war und schrecklich viel Gestänkert habe, wird es Zeit mal wieder eine Produktion zu loben. Seit Beginn der Pandemie etwa begann mein Interesse für Serien zu erlahmen. Man wurde seither beinahe mit einer Masse an mittel- bis unterklassigen Produktionen aus der Vorhölle, die ich Streamingdienst nenne, erschlagen. Filme wurden zu mehrstaffeligen viel zu lang gezogenen Serien zurückentwickelt, die nur einer Funktion dienen: "Haltet die Abonennten so lange wie möglich im eigenen Programm! Hauptsache sie gucken nichts bei der Konkurrenz."  Ab und an kommt aber doch noch etwas Sehenswertes heraus. So geschehen auf AppleTV mit der bislang vier Staffeln laufenden Serie Slow Horses von Showrunner Will Smith. Nein, nicht der Backpfeifen-Will, sondern der britische Autor und Comedian. Wie die meisten guten Serien der letzten Jahrzehnte, basiert auch Slow Horses auf einer Buchserie. Die inzwischen acht Hauptbände umfassende Reihe Slo...