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Schrott in zwei Geschmacksrichtungen

Meist wird sich bei der Rezeption von Filmen darum gestritten was ein grundsätzlich gutes und was ein schlechtes Werk sei. Prinzipiell ist die Beantwortung der Frage eine sehr persönliche. Gerne werden eigene Vorlieben mit einem objektiven Maßstab verwechselt oder Attraktivität einer darstellenden Person mit Talent. In Diskussionen redet man dann gern aneinander vorbei oder es artet in Streit aus. In der einen oder anderen Form ist jeder schon solchen Irrtümern begegnet. In meinem Betrag über die Kritik vom letzten Jahr, habe ich mich bereits tiefer mit der Diversität der Rezeption beschäftigt.

Heute geht es mal wieder um die viel wichtigere Frage: Was unterscheidet einen guten Schrottfilm von einem schlechten Schrottfilm? 

Meist rennt man sehenden Auges in eine Trashproduktion hinein. Wer nach dem Genuss eines Hirnzellenvernichters meckert, dass man gar nicht mit so einem Müll rechnen konnte, hat vermutlich weder Titel, noch Trailer noch Inhaltsbeschreibung gecheckt. Im Januar habe ich mich bereits mit dem Trashfilm ganz allgemein beschäftigt, daher an dieser Stelle das tl;dr des Beitrags: Ein Trashfilm ist in erster Linie dann gelungen, wenn er nicht langweilig ist.

Natürlich habe ich unlängst wieder in der Gammelkiste gerührt und zwei Beispiele für die beiden Enden der Mistfilmproduktionsskala ans Tageslicht befördert.

 


African Kung Fu Nazis

Sebastian Steins Film aus dem Jahr 2019 liefert den geneigten Zuschauern exakt das, was man anhand des Titels erwarten kann. Der Film spielt in Afrika, es wird reichlich Martial Arts geboten und die Nazis sind die Gegner. Ein einziges Frame aus dem Film reicht aus, um das reichhaltige Budget von knapp 20.000 US Dollar erraten zu können.

Die deutsch-ghanaisch-japanische Produktion bietet im Grunde eine Persiflage typischer Hong Kong Stoffe der Siebziger Jahre, die mit Versatzstücken des Naziploitation versehen wurde. 

Adolf (Sebastian Stein) hat sich nach dem Krieg nach Ghana abgemacht. Mit seinen Kumpels Hideki Tojo (Yoshito Akimoto) und Horse-Man Göring (Marsuel Hoppe) versucht er eine Armee aus Ghan-Ariern aufzustellen, um mit diesen die Welt zu erobern. Vorher muss aber noch eine Kung-Fu Schule platt gemacht und ein tödliches Kampfsportturnier abgehalten werden. Addae (Elisha Okyere) hat schließlich die Schnauze voll von Adolf. Das Arschgesicht hat seinen Meister auf dem Gewissen und ihm seine Freundin Eva Braungebrannt (Nkechi Chinedu) ausgespannt. Doch bevor er dem Fascho-deluxe aufs Fressbrett geben kann, muss er zuvor noch bei einigen Meistern in die Lehre gehen. 

Wie man aus der Synopsis ableiten kann, handelt es sich um einen vollkommen ernst gemeinten Film, der uns wichtige moralische Erkenntnisse mit auf den Weg geben wird. 

Wie bereits erwähnt kann der Film sein kaum vorhandenes Budget nicht kaschieren. Neben einigen netten Ideen, was beispielsweise den Einsatz der Kamera angeht, ist hier wenig zu erwarten. Die technischen Möglichkeiten sind limitiert, die einzelnen Posten offensichtlich mit Leuten besetzt worden, die wenig bis gar keine Erfahrung in den Jobs hatten, die sie erledigten. Der Film wurde binnen vier Wochen abgedreht und hat auch in der Postproduktion wenig Schliff bekommen. Aus dem Material war allerdings vermutlich nicht viel mehr herauszuholen gewesen. Das Schauspiel ist nicht der Rede wert, die digitalen Effekte kaum mehr als Platzhalter und in den Fights sieht man immer wieder, dass die Gegner nicht getroffen wurden, aber dennoch zurücktaumeln oder hinfallen. Dafür sind einige der Darsteller fit und vor allem motiviert.

African Kung Fu Nazis wird durch einige Aspekte vor der Mülltonne gerettet. Zum einen war man sich vollkommen bewusst, was man hier produziert und ist entsprechend den Möglichkeiten All-In gegangen. Das Drehbuch ist gradlinig. Man vermeidet unnötig komplexe Handlungsstränge, die Tiefgang simulieren könnten. Dadurch weiß man als Zuschauer immer ganz genau, was das Ziel des Films ist. Allein schon das Budget ließ nicht viel mehr als eine Parodie aufs Genre zu. So verzeiht man dem Film auch die Ausstattung. Adolfs Schnäuzer sieht eher aus als würde er aus seinen Nasenlöchern wachsen. Der Scheitel ist eine Art angeklebter Pinsel und die Narbe auf der Wange wirkt in jeder Einstellung irgendwie anders. Swastika werden konsequent falsch herum gezeigt, die Kostüme sind ein Lacher für sich. 

Regisseur Stein vermeidet so gut es geht den Film länger als notwendig laufen zu lassen. Man hätte in den Dialogen meiner Meinung nach noch einiges an unnötigen Pausen und im finalen Turnier repetetive Sequenzen streichen können, aber insgesamt geht das schon in Ordnung. 

Im Deutschen trägt zur Rettung des Unterhaltungsfaktors die Synchronisation zu einem großen Teil bei. Die befindet sich auf Sinnlos im Weltraum Level. Das betrifft Qualität und auch der Inhalt der Dialoge. Beinahe jede Figur redet in einem anderen Dialekt und labert meist einen Schwachsinn daher, dass ich mehr lachen musste, als ich zugeben möchte. Am besten man schaltet die Untertitel dazu, da die Dialekte teils sehr schwer verständlich vorgetragen wurden. 

Zu meiner verstörenden Freude musste ich in der Vorbereitung zu diesem Beitrag herausfinden, dass im letzten Jahr ein Nachfolger mit dem Untertitel Bum Bum herauskam. Der Trailer verrät zumindest mal, dass hier mehr Geld im Spiel gewesen sein muss und ich bin ehrlich neugierig und will auch die Fortsetzung sehen. Ein größeres Kompliment kann man einem Trashfilm eigentlich nicht machen.

 


Silverfox/ Saviour of the Soul

Kommen wir damit zum anderen Ende der Skala. Ja, es mag ein wenig gemein sein Silverfox mit Andy Lau als Trashfilm zu bezeichnen, weil Budget, Talent und Zielrichtung der Hong Kong Produktion von 1991 eigentlich weit über diesen Gefilden schwebt. Der Genuss des Streifens hat jedoch mehr Scharten an meiner ranzigen Seele hinterlassen als so mancher Müll von der Asylum Halde. Und das will was heißen!

Silverfox (Aaron Kwok) musste dereinst miterleben, wie Paradisa (Anita Mui) seinen Meister tötete. Dafür will er an ihr Rache nehmen. OK, dass sie ihm ein Auge nahm, war seiner Laune sicherlich nicht förderlich. Normalerweise würden wir nun Silverfox als Protagonisten folgen und ihm viel Glück bei seiner Rache wünschen. Hier wechseln wir jedoch nach dem sehr unterhaltsamen und blutigen Einstieg auf die Seite der Flachpfeifengang um Paradisa.

Die lungert in einer Gegend herum, in der die Innenarchitektur dezent an gestucktes Mannhatten erinnert und der Hintergrund stets von einer bemalten Plane gestellt wird. Stalker und dezent notgeiler Beau Ching (Andy Lau) versucht den ganzen Film über Paradisa ins Bett zu bekommen. Die gibt ihm immer wieder zu verstehen kein Interesse zu haben. Das kann Ching jedoch nicht von weiteren aufdringlichen Avancen abhalten. Sehr sympathischer Dude. - Jaja, das ist vom Skipt total ulkig gemeint. Schon verstanden. Ist es aber nicht!!!

Paradisas Zwillingsschwester versucht sich in dieser seltsamen WG ebenfalls mit klamaukigem Humor, der ungefähr so oft trifft wie der durchschnittliche Sturmtruppler. Mit dabei noch die minderjährighe Wai (Gloria Yip), die unsterblich in Ching verknallt ist. Wenn ich das korrekt interpretiert habe, sollte das Quelle Nummer Drei für Lacher darstellen. Zum Glück sieht sich Ching eher als ein großer Bruder denn ein Loverboy für die pubertierende Wai. So bleibt uns immerhin eine noch verstörendere Lovestory erspart, als die, die bereits im Drehbuch steht. 

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass ich auch nur einen Einzigen aus dieser piefigen Truppe von Schnarchnasen sympatisch finden soll? Ich bin bei dem gebotenen Heldenpersonal jedenfalls Team Silverfox. Dessen Motivation kann ich wenigstens nachvollziehen. In den Kämpfen liefert der Film dann immerhin ab und hat wirklich nette Ideen parat.

Am Ende kann das den wirren Genremix aus Fantasy, Sci-Fi, Drama und "Comedy" nicht retten. Wo spielt das? Wann spielt das? Wieso reden allen permanent aneinander vorbei? Warum acten die auch alle nur nebeneinander her? Wieso quillt nur dümmlicher Dialog aus dem Drehbuch? Was, wieso und warum überhaup mal grundsätzlich? Hab ich wirklich ein an französisches Arthaus anbiedernder Hong Kong Schrott gesehen oder ging auch das letzte Quäntchen Esprit und Inhalt erst in der Übersetzung flöten? Ich werde es wohl nie wissen. 

Aber eins ist klar geworden. Das gigantische Nichts zwischen der spärlichen Action bietet vor allem eins: Gähnende Langeweile!

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