Wie vor einigen Wochen versprochen, mache ich nun meine Drohung wahr und berichte von vier weiteren Hong Kong Actionfilmen, welche ab der Ära Ende der Siebziger erschienen sind. Da derzeit viele Jackie Chan Produktionen in der Legacy Collection erscheinen, bediene ich wieder sein Portfolio. Obendrein ergibt sich so für Interessierte die Gelegenheit noch an die Blu-Rays bzw. 4K UHD Ausgaben heranzukommen.
Im Laufe des Jahres werden noch einige weitere Körperverletzungsanleitungen herauskommen und ich habe selbstverständlich bereits vorbestellt - zwinkerzwonki!
The Fearless Hyena
Im Westen wurde der Film auch bekannt als Revenge of the Dragon (USofA) oder Superfighter 3 (Schlaaaaaand!). Das klingt jedenfalls netter als der zweite deutsche Alternativtitel Zwei Schlitzohren in der Knochenmühle. Zwei Dreschflegel schlagen alles kurz und klein wiederum klingt auf charmante Weise dilletantisch und würde von mir definitiv gekauft werden.
Auf den ersten Blick ist Jackie Chans Regiedebüt nur ein weiterer der üblichen Sohn-rächt-Vaters-Tod-nachdem-er-durch-die-unerbittliche-Kampfkunstlehre-gehen-musste-Filme, der vor dem genauso üblichen Setting des feudalen China spielt. Chan schrieb dieses Mal jedoch auch das Drehbuch und produzierte den Streifen, was ihm sehr viel kreative Kontrolle bescherte. Vermutlich war ihm bewusst, dass es an der Zeit war, frischen Wind in die alte Formel zu bringen. Daher hielt die für ihn heute so typische Comedyformel im Jahr 1979 Einzug. Brutale Fights wurden mit ordentlich Slapstick und Sprüchen aufgelockert. Obendrein sind hier einige der Figuren sicherlich nicht erst durch die Synchronisation zu Comic Reliefs mutiert, sondern wurden auch im Original so angelegt. Das kann man für das Genre nicht generell annehmen. Der Humor war nämlich gerne von der unfreiwilligen Sorte.
Hat Ebenjener dem Zahn der Zeit standgehalten? Das sicherlich nicht in Gänze. Crossdressing beispielsweise entlockt heute als Gag meist eher ein geseufztes Augenrollen. Jedoch gilt das für so ziemlich alle Filme der 70er bis in die 2000er und darum werde ich das nicht nochmal extra erwähnen.
Die innovativen Ideen für Stunts, Action und Kampfsequenzen heben The Fearless Hyena jedenfalls aus der Masse des Genres heraus und machen ihn auch heute noch zu einer Empfehlung.
Fearless Hyena Part II
1983 erschien das Sorgenkind der Lo Wei Motion Pictures, das bei uns Superfighter 2 getauft wurde. Ja, Superfighter 2 wird aus Gründen, die vermutlich im Suff und/oder der Inkompetenz des Vertriebsmenschen zu suchen sind, vor dem ersten Teil angesiedelt.
Im Februar 1979 erschien The Fearless Hyena und wurde ein voller Erfolg. Man ließ daher kaum Zeit verstreichen und begann noch im gleichen Jahr mit den Dreharbeiten am zweiten Teil. Blöd für Lo Wei Motion Pictures: Jackie Chan machte sich mitten im Projekt aus dem Staub, um zum Konkurrenten Golden Harvest zu wechseln. Blöd für Chan wiederum: Sein Brötchengeber wollte ihn nicht gehen lassen. Angeblich hetzte Lo Wei Chan nach einigem Hin und Her, bis er vollends aus der Produktion verschwunden war, die Triaden auf den Hals. Ob eine Entführung oder eine Überführung auf eine andere Existenzebene geplant war, ist nicht zu ermitteln. Das Unterfangen konnte Regisseur, Darsteller und Produzent Wang Yu mittels Verhandlungen abwenden. Der Legende nach soll Chan aus Dankbarkeit dafür in seinen Filmen The Prisoner und Fantasy Mission Force mitgespielt haben.
Regisseur Chan Chuen hatte nun also das Problem aus abgedrehten Einzelteilen einen Film zu Basteln. Also wurde massiv am Drehbuch geschraubt, Bodydoubles eingesetzt und Schnipsel aus alten Chan-Filmen in den finalen Fight geschnitten. Man merkt dem Endprodukt, das erst vier Jahre später in die Lichtspielhäuser kam, an allen Ecken und Enden an, wie vertrackt die Produktionsgeschichte gewesen war. Plotlines kommen nicht sinnvoll zusammen, es gibt willkürliche Handlungssprünge - ja, wilder als sonst - und die Action im Finale glänzt durch die Abwesenheit von Jackie Chan. Der konnte am Ende nicht verhindern, dass Fearless Hyena 2 doch noch erschien. Seiner Karriere hat es jedenfalls nicht schaden können.
Ich bin auch nicht allzu traurig darüber, dass der Film doch noch veröffentlicht wurde. Auch wenn man nicht die erhoffte Fortsetzung bekommen hat, wurde vieles in der sehr freien deutschen Übersetzung gerettet. Nur eins konnte ich nicht herausfinden: hat man dabei auch nachträglich Soundeffekte eingebaut und Musik ausgetauscht oder liefen Soundeditor und Composer bereits im Hong Konger Studio Amok? Holy Moly! Ohne Drogen kann das nicht abgelaufen sein.
Worum es geht? Ach, das Übliche: Zwei übermächtige Dudes laufen durch die Weltgeschichte, um ihre Rivalen umzubringen. Nur die Väter von Chans und Co-Star Austin Wai Tin-Chis Figuren sind noch übrig. Die verstecken sich sich seit vielen Jahren erfolgreich vor ihren Häschern. Dinge passieren, den beiden wird ins Nachleben geholfen und dann gehts ohne Umschweife in den Endfight.
Project A
A.k.a. Der Superfighter von 1983. Äh, ja! Das ist Teil eins der Superfighter-Reihe. Aber keine Sorge, die vollkommene Willkür präsentiere ich erst im letzten Film des heutigen Beitrags. Auf den Philippinen gab man sich besonders kreativ und verpasste dem Streifen den Namen Superfly 2. Teil Eins ist dort übrigens der zweite Armour of God Film, der erst 1991 erschien. Die Amis wiederum nannten den Film mal Pirate Patrol, mal Mark of the Dragon. Gottseidank ist die wilde Namensgebung keine teutonische Erbkrankheit, sondern scheint ein international beliebtes Spiel zu sein. Fragt sich nur, was es zu gewinnen gibt. Jedenfalls ist die Angelegenheit komplizierter ausgestaltet worden, als die Namensgebung in der Erbfolge europäischer Herrscher vom Mittelalter bis zur Neuzeit.
Anywho, weiter gehts zum eigentlichen Film.
Dragon Ma (Jackie Chan) verrichtet im späten 19. Jahrhundert seinen Dienst in der Hong Konger Küstenwache. Neben Scherereien mit der Konkurrenz von der echten Polizei bzw. deren korrupten Kollegen, legt sich Ma auch mit waschechten Piraten an. Deren Boss Sam Pau (Dick Wei) redet natürlich, wie bestimmt auch im kantonesischen Original, nachgeäfftes Hamburjer Platt.
Nein, der Film nimmt sich glücklicherweise nicht ernst und auch die Action im viktorianisch anmutenden Hong Kong bereitet eine Menge Freude. Bekannt geworden ist der Film für einen halsbrecherischen Stuntsturz von einem Uhrenturm. Project A glänzt mit hohem Tempo, einer spaßigen Synchro, einem Orchesterscore, viel Humor, abwechslungsreichen Actioneinlagen und obendrein wird das Ganze mit Sammo Hung in einer Nebenrolle als Kirsche auf der Torte serviert.
Wohl bekomms!
Project A2
Vier Jahre nach Teil eins spendierte man der überaus erfolgreichen Nummer eine Fortsetzung, wie man unschwer an der Zahl im Titel erkennen kann. Jetzt könnte man annehmen, dass man in unseren Landen Superfighter 4 daraus machen würde, damit wenigsten ein kleines bisschen Kontinuität erhalten bleibt. Doch das wäre viel zu einfach für die Einwohner des Landes der dichten Denker. Aus Project A2 wurde..... Trommelwirbel, Tusch! Tada:
Project B
Was zum Fick habt ihr eigentlich geraucht? Wer soll bei so einer mental verstorbenen Veröffentlichungspolitik eigentlich noch den Überblick behalten und kapieren was wo und wie zusammen gehört? Wenn das eine Trollaktion war, warum dann nicht richtig Deutsch und Projekt B mir rrrrrollendem Rrrrr! daraus machen? War A2 gefühlt zu nah an der Autobahn oder der V2 dran oder was?
Und ja, wenn die Titlecard auf der Leinwand eingeblendet wird, steht tatsächlich schmucklos noch Projekt B klein darüber gekleistert. Eure Drogen hätte ich gerne. In den Phillipinen muss zwischenzeitlich eine VHS-Kopie von Der Superfighter an den Strand gespült worden sein, denn dort wurde Project A2 als Super Fighter vermarktet. Damit wäre der Circlejerk endlich vollendet und wir können zum eigentlichen Film weitergehen.
Dragon Ma gehört der regulären Polizei an und soll die Machenschaften eines korrupten Beamten und seiner hilfsfreudigen Spießgesellen aufdecken. Das sieht das Organisierte Verbrechen gar nicht gern und plant das Problem daher auf dem kleinen Dienstweg permanent zu lösen. Währenddessen tauchen in der Stadt noch einige Piraten aus Teil Eins auf, nun heimatlos und ganz dolle traurig. Für ihr Schicksal machen sie Ma verantwortlich und wollen ihm ans Leder. Gleichzeitig mischen sich Revolutionisten vom Festland unters Volk, um von den Kaisertreuen, die ihnen auf den Fersen sind, nicht gefangen genommen zu werden. Es kommt wie es kommen muss: Ma gerät zwischen alle Fronten und muss sich erneut in abwechslungsreichen Actioneinlagen seiner Haut erwehren.
Im Grunde bleibt man der Formel aus dem Vorgänger treu und bietet weitestgehend das gleiche Team auf wie zuvor. Nur auf Sammo Hung und Yuen Biao muss man leider verzichten, weil die beiden derweil Operation Eastern Condors drehten. Ein guter Tausch, wie ich finde.
Zweimal verneigt sich Jackie Chan vor amerikanischen Comedykollegen. Die Szene in Maggies kleiner Wohnung, in der sich immer mehr Personen voreinander verstecken, ist eine Hommage an den Marx Brothers Film A Night At the Opera (dt. Skandal in der Oper). Mit der Wand, die auf Chan herabstürzt, ohne ihn zu verletzen, huldigt er Buster Keaton, der das Gleiche in Steamboat Bill, Jr. getan hatte.
Auf Keaton war Chan aufmerksam geworden, als westliche Kritiker seine Filme mit dem Sujet des Stummfilmdarstellers verglichen. Man mutmaßte gar, dass Chan von ihm inspiriert sei. Das jedenfalls kann nicht der Fall gewesen sein, da er bis zu diesen Kritiken nie etwas von Buster Keaton gehört hatte. In der Folge muss er dessen Filme nachgeholt haben.
Long Story short: Auch Project Super Fighter B2 Sturzkampfbomber Extrasuper Drunken Fly Master and Commander mit dem Starken Arm der Biene Maya war ein voller Erfolg an der Kinokasse und gehört in jede Filmhämatom-Sammlung.




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