Ich hab eine ausgeprägte Schwäche für Be- und Verklopptes aus Fernost. Während ich mit Bollywood bislang so gar nichts anfangen konnte, hat das Kino aus Nippon mehr für mich zu bieten. Als Animefan würde ich mich nicht bezeichnen, die Klassiker der japanischen Animationskunst weiß ich dennoch zu schätzen. Inzwischen habe ich bei vielen neueren Produktionen den Eindruck, dass die Experimentierphase lange zu Ende gegangen ist und optisch mehr und mehr dem Einheitsbrei gehuldigt wird. Japan hat jedoch auch eine lange Tradition im Actionkino. Vor allem Samurai spielen hier eine Rolle. Von Klassikern wie Akira Kurosawas Yojimbo, Sanjuro oder Die Sieben Samurai, über Takashi Miikes 13 Assassins bis zur Fünfteiligen Manga-Realverfilmung Rurouni Kenshin gibt es eine Menge zu entdecken. Dieses Jahr läuft hoffentlich auch hierzulande The Samurai and the Prisoner von Kiyoshi Kurosawa an. Der Trailer hat mich jedenfalls neugierig gemacht und bestätigt, dass das Genre nach wie vor lebt.
Mit Indonesiens Filmindustrie habe ich mich nicht intensiver beschäftigt, kann aber jedem Actionliebhaber nur dringend ans Herz legen Merantau und The Raid 1&2 von Gareth Evans zu schauen. Ganz besonders die The Raid-Filme, die zu einem aberwitzig niedrigen Budget realisiert wurden, sind extem intensiv inszeniert. Sie haben das finanzstarke US-Actionkino in so viele Taschen auf einmal gesteckt, dass es bislang nicht wieder zum Licht zurückgefunden hat. - Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. - Ein Film im Geiste dieser brutalen Schlachtplatten scheint nun mit The Furious von Kenji Tanigaki anzulaufen und wie zu erwartet in viel zu wenig Kinos gezeigt zu werden. Hier werde ich vermutlich wieder auf den BluRay Release warten müssen.
Kinoland Südkorea nimmt inzwischen eine besondere Stellung ein. Von dort aus bereichert man seit einigen Jahrzehnten über die Genregrenzen hinweg die gesamte Kinolandschaft. Wenngleich man hier ebenso kompetent Action zu inszenieren weiß, habe ich vor allem gesellschaftskritische Stoffe vor Augen, wenn ich an südkoreanische Filme denke. Zur Riege der hierzulande bekannteren Regisseure zählen Bong Joon-ho (The Host, Memories of Murder, Parasite, Snowpiercer), Park Chan-wook (Sympathy for Mr. Vengance, Oldboy, Frau im Nebel) oder Kim Jee-woon (The Good, the Bad and the Weird, I saw the Devil, The Last Stand). Jang Huns A Taxi Driver hat mich ebenfalls nachhaltig beeindruckt. Ich kann nur jedem Filmfan raten in diese Welt hineinzuschnuppern. Da es heute aber eher um die Haudraufproduktionen geht, darf ich an dieser Stelle Südkoreas Bud Spencer Ausgabe Ma Dong-seok (a.k.a. Don Lee) nicht unterschlagen. Der umtriebige Darsteller ist für seinen körperbetonten Einsatz in allerlei Actionfilmen bekannt. Die Roundup Reihe, The Outlaws oder The Gangster, The Cop, The Devil seien exemplarisch genannt.
Aufgewachsen bin ich jedoch mit Actionfilmen aus Hong Kong. Böse kastrierte und auf gut Glück synchronisierte Shaw Brothers Produktionen markieren hier die graue Vorzeit und tatsächlich auch meine ersten Berührungspunkte mit dem Genre. Die meisten dieser als Kung-Fu-Filme verbrämten Werke wurden in billigen Studio-Sets gedreht und versprühen einen theaterhaften Charme, der den Hammer-Filmen nicht unähnlich ist. Für Die Sieben Goldenen Vampire konnte Hammer Film Productions damals sogar Shaw Brothers Urgestein David Chiang engagieren. Der Film bildet somit also eine Brücke zwischen diesen Trash-Welten. Wie so viele SB-Filme war auch die west-fernöstliche Kung-Fu-Horror-Klamotte leidlich spannend und dümmlich in der Handlung. Obendrein konnte man nicht mal mit besondes guten Actionsequenzen punkten. Dafür lohnt sich der Film zumindest im Deutschen allein schon wegen der wirklich herrlich beknackten Synchro.
Aber ich schweife ab. Die Handlungen in Shaw Brothers Produktionen waren in aller Regel überschaubar. Oft sollte ein Verwandter oder Meister gerächt werden. Ebenso oft ging der Protagonist dann erst einmal in die Lehre bei einem unbarmherzigen Meister, der sich am Ende gern als knuffiger Typ heraus stellte. Der Typus harter Hund mit weichem Kern gehörte zum Standardrepertoire. Manchmal musste auch ein Kopfgeld eingetrieben oder eine Aufgabe für den Lehnsherrn erledigt werden. Überhaupt war das Setting regelmäßig Jahrhunderte vor unserer Zeit angesiedelt. Wer glaubte auf diese Weise etwas über chinesische Geschichte zu lernen, war auf dem Holzweg. Zwar gab es immer wieder Anknüpfungspunkte an historische Begebenheiten oder mythische Figuren und Geschichten, aber ohne sich weiteres Hintergrundwissen anzueignen, gaben diese Filmen fast nie die Chance der Einordnung. Dinge passieren, damit man sich in die Haare bekommt und auf die Fresse haut. Egal warum, hauptsache es knallt ordentlich.
Dieses Problem hatten die Schreibknechte der Synchrondrehbücher wahrscheinlich auch gehabt. Des Chinesischen waren vermutlich die wenigsten mächtig gewesen. Daher fühlen sich viele Plots in den deutschen Versionen regelmäßig nach zusammengereimter Handlung an. Sobald dann noch Mundartsynchro geboten wurde, merkt man, dass man im Studio vollends aufgegeben hatte den Film ernst zu nehmen. Allzusehr kritisieren möchte ich das jedoch nicht. Ich hatte mit Produktionen wie Der Dampfhammer von Send-Ling jedenfalls meinen Spaß - gerade auch weil die Sprecher sich manchmal in den Dialekten verzettelten und von Berlinerisch angehauchten Texten übergangslos kölsche Mundart servierten.
Irgendwann in der zweiten Hälfte der Siebziger kam es zu einem Umbruch und die Filme von anderen Studios drängten erfolgreich auf den Markt. Sie kamen mit ausgeklügelterer Action und echten Sets daher, wurden also draußen in der echten Welt gefilmt. Inhaltlich würde ich hier noch keinen großen Sprung verorten. Es wurden die übrlichen Tropes bedient und Bekanntes geboten. Die Handlungen wurden allerdings spätestens ab den frühen 80ern verstärkt in die Gegenwart verfrachtet, wodurch die Action vielfältiger, verspielter, teils brutaler, teils düsterer, teils komödiantischer, aber auch riskanter wurde. In den Achtzigern wurde das Hong Kong Kino dann auch hierzulande eine feste Größe. Jet Li, Jackie Chan, John Woo, Sammo Hung, Yuen Woo-ping, Karl Maka, Michelle Yeoh, Tsui Hark und Chow Yun-fat sind einige der Personen, die hier vor und hinter der Kamera wichtige Arbeit geleistet haben. Insbesondere Jackie Chan ist ein nicht zu unterschätzender Faktor für Bekanntheit und Beliebtheit der Action-Komödien aus der alten britischen Kolonie.
Auch wenn Plots und Dialoge qualitativ und tonal gerne schwindelerregend stark schwanken, das Frauenbild immer wieder hart cringed und manche Gags zum fremdschämen sind... ja, ich rede immer noch von Eastern und nicht von alten James Bond Streifen! Also, trotz vieler Ecken und Kanten sind diese Filme auch heute noch sehenswert - sofern man auf Action steht. Selbst wenn man sich doch mal zu lange mit fader Story und unglaubwürdigem Charakteraufbau aufgehalten hat, wetzt die Action, bei der Stuntmen gefühlt im groben Dutzend in die Pathologie gekarrt worden sein mussten, meist alle Scharten wieder aus. Darum ist es auch heute noch so unterhaltsam diesen alten Schinken eine Chance zu geben.
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