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Maulschellen en gros

Nachdem ich in der letzten Woche meine Begeisterung für Martial Arts im Allgemeinen und für alte Hong Kong Actionkomödien im Speziellen zum Ausdruck gebracht habe, ist es an der Zeit auf einige Vertreter den Scheinwerfer auszurichten. Für fast alle Filme des Genres gilt, dass sie mit ein paar Freunden gleich doppelt so lustig werden. Im Gegensatz zu SchleFaZ ist dafür noch nicht einmal Alkohol vonnöten. 

Los geht es mit den beiden Filmen, die mir unlängst in die Finger geraten sind. Ich hab keine Ahnung wie ich die bislang übersehen konnte.



Operation Eastern Condors

Lasst uns an den März 1973 erinnern. Nach langen Jahren zermürbender Kriegsführung gegen den Vietcong, zogen sich die Amis aus dem Vietnam zurück und nahmen ihr Geraffel mit. Alles Geraffel? Nein! Ein unterirdischer Raketenbunker voller Waffen verblieb in Nam. Als das den verantwortlichen Offizieren bei einer Zigarettenpause wieder einfiel, war klar: "Dat kann so nich bleiben tun!" 

Damit der Vietcong die Waffen nicht in die Griffel bekommt, werden Häftlinge aus Saigon rekrutiert. Die Karotte vor deren Nase: Begnadigung, 200.000 Flocken und die amerikanische Staatsbürgerschaft. Also treten die Männer als eine Art Wildgänse Süß-Sauer im Dämlichen-Dutzend-Modus die gefährliche Reise an. 

In dem erst 2016 vom Index befreiten Film von und mit Sammo Hung wird eine besonders krude Mischung serviert: düsterer Vietnam Kriegsfilm mit viel Geballer auf Distanz und flott inszeniertes Martial-Arts im Nahkampf. Der Film kippt tonal erratisch durch den Dramaturgieraum und kann sich nicht entscheiden, ob gerade Charakterdrama angebracht ist, blutige oder lustige Action oder Geblödel. Es ist nicht ungewöhnlich in dem Genre, dass Gags und brutale Stunts nah beieinander liegen können, aber derart krass wie hier habe ich das selten gesehen. Ich sage nur: Kindersoldaten spielen mit Gefangenen Russisch Roulette.

Selbstverständlich wird in jeder Sequenz ausgewürftelt wie tödlich die erlittenen Verletzung sind. Ein Trope, das man ignorieren oder augenzwinkernd hinnehmen können muss, will man nicht wahnsinnig werden. Auch das gilt für viele andere Filmes des Genres.

Operation Eastern Condors ist in seiner Zusammenstellung ein außergewöhnlicher Vertreter des Hong Kong Kinos und gehört auch bei einer eher mittelmäßigen deutschen Synchronisation in jede Sammlung.


Magic Cop

Lam Ching-ying, der bereits eine der Rollen in Operation Eastern Condors spielte, rückt in Magic Cop auf die Position des Protagonisten auf. Als Uncle Feng, ein ehemaliger Polizist, nach Hong Kong reist, um den Leichnam einer Stewardess zu ihrer Mutter auf dem Festland zurückzubringen, merkt er schnell, dass übernatürliche Mächte am Werk sind. Scheinbar wurde sie in eine Art Zombie verwandelt und wird von einer japanischen Zauberin zum Drogenschmuggel missbraucht. Mit zwei Hong-Kong-Polizisten muss Feng der Frau das Handwerk legen. Ein Unterfangen, das deutlich einfacher wäre, wenn man auch an einem Strang ziehen würde. 

Die Prämisse klingt nicht nur interessant, sondern wurde auch unterhaltsam umgesetzt - zumindest wenn man von manch zähen, eher leidlich gut erzählten Abschnitten absieht, die den Actionszenen eine Rahmenhandlung spendieren sollen. Die wiederum wurden mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt. Neben den zu erwartenden Fights und einer ordentlichen Portion Slapstik, gibt es hier viele Special Effects, mit denen der magische Teil inszeniert wird. Ohne langwierige Erklärungen liefern sich die Kontrahenten ein nachvollziehbar choreografiertes Duell, das durchaus auch seine spannenden Momente hat. Hier funktioniert Show-Don't-Tell wunderbar, weil man zu jeder Aktion sofort den erzielten  Effekt sehen kann. 

Es ist schade, dass die Charaktere wenig Charme versprühen. Da kann auch die Deutsche Synchro leider nicht mehr viel rausreißen. Der eine oder andere gelungene Gag hat es dennoch in den finalen Film geschafft. 

Im Nachgang habe ich erst herausgefunden, dass Magic Cop auch Mr. Vampire 5 heißt, somit also Teil einer Reihe ist, die von 1985-1992 erschien und mit Spin-Off sieben Filme hervorbrachte. Ein bisschen ärgert mich das nun, weil ich jetzt das Bedürfnis verspüre auch die anderen Teile sehen zu wollen. Schlimmes Schicksal, ich weiß! Solch obskure Titel zu finden, ist allerdings nicht immer einfach, selbst wenn man nicht wie ich physische Medien sammelt.


Mad Mission

Von 1982 bis 1989 produzierte man fünf Aces go Places Filme, die hierzulande unter dem Namen Mad Mission bekannt wurden. Mad, also verrückt, beschreibt den Inhalt recht treffend. Von daher meckere ich ausnahmsweise mal nicht über die Umbenennung.

King Kong (Sam Hui) ist ein professioneller Juwelendieb in Hong Kong und nebenberuflich als Charmeur unterwegs. Als er den falschen Leuten Klunker stiehlt, hat er einen Profikiller am Hals. Zu allem Überfluss zieht die Hong Konger Polizei noch einen Spezialisten aus Amerika zu Rate, der nach den Diamanten fahnden soll. Albert Au (Karl Maka), der wegen akuter Beglatzung nur Kodijack gerufen wird, ist jedoch nur sehr begrenzt mit Talent gesegnet. Es kommt wie es kommen muss: gemäß der Buddy-Cop-Formel müssen sich Kodijack und King Kong zusammentun, um dem Killer das Handwerk zu legen, und sorgen dabei für allerhand Chaos 

Wer es bis sich hierhin noch nicht denken konnte, dem sei versichert, dass Mad Mission in der Liga der beknackten Spaßprügler ganz vorne mitspielt. High-Tech-Gadgets, schlechte Witze, Slapstick, verschrottete Autos, die zu Meterware degradiert werden, mit ein paar Handlungfetzen gefütterte Plotholes und eine gelungen schnoddrige  Deutsche Synchro machen die Reihe zur ersten Anlaufstelle für Fans des Genres. Die Kämpfe gehören sicherlich nicht zu den Besten, die Actionsequenzen garantiert auch nicht. Dafür ist das Gesamtpaket aber ein Gute Laune Garant. Die gnadenlos auf Action heruntergeschnittene Fassung für den EU und US-Markt haben die Handlung noch etwas zusammenhangsloser werden lassen, was jedoch nicht zum Nachteil gereicht.

Fünf Teile des östlichen Dick-und-Doof Duos auf Speed wurden produziert. In den Sequels kamen sogar im Westen bekannte Schauspieler wie Richard Kiel (Beißer) oder Peter Graves (Mission Impossible) als Cameos zum Einsatz. Der letzte Teil der Reihe fällt besonders aufgrund der meist unlustigen Synchro stark ab, hat aber durchaus noch einige gute Ideen aufzubieten. 


Drunken Master/ Sie nannten ihn Knochenbrecher

Zu einer Zeit als die Figuren, die Jackie Chan in seinen Filmen verkörperte, nicht nach ihm benannt waren, machte er in klassischen Hong-Kong Stoffen mit. Es geht also zurück in Chinas Kaiserzeit. Zum Ende dieser Phase spielte er in Yuen Woo-Pings Debutfilmen mit. Die Schlange im Schatten des Adlers und Sie nannten ihn Knochenbrecher erschienen beide 1978. Ebenfalls mit dabei: Yuen Siu-Tin, Woo-Pings Vater. So ziemlich jeder, der sich nur ein bisschen für Martial-Arts-Filme interessiert, kennt das Gesicht dieses dauerbetrunkenen, griesgrämigen alten Sacks, unter dessen harten Schale jedoch ein weicher Kern wohnt.

Das Trope um dessen Figur funktioniert in Abwandlungen immer so: Der alte Knacker wirkt wie ein besoffener Bettler und Taugenichts und wird deshalbt unterschätzt. Um ihn herum geschehen Dinge, er mischt sich ein und schickt die Gegner mit seinem Kampfstil der Betrunkenen Faust auf die Bretter. In der Folge übernimmt er die Ausbildung eines jungen Mannes. Dabei stellt er sich als ein brutaler Schinder heraus. Doch erst durch das unerbittliche Training wird der Protagonist stark genug um seinen Gegner zu besiegen. Zugegeben: das Trope war auch hier schon nicht besonders neu, aber ich verbinde es mit keinem anderen Gesicht so sehr wie dem von Siu-Tin. Das mag vor allem an den markanten Gesichtszügen, dem verlotterten Aussehen und der einprägsamen Synchronstimme liegen.

In Drunken Master, wie der Film außerhalb Deutschlands bekannt wurde, schlüpft Jackie Chan in die Rolle des Schülers Wong Fei-hung. Die Figur basiert auf der gleichnamigen historisch verbrieften Person, die heute noch in China als Volksheld gefeiert wird. Der Arzt und Kampfsportler setzte sich Zeit seines Lebens für die Belange der Kranken und Schwachen ein. Ich glaube ich brauche nicht extra zu erwähnen, dass Drunken Master noch nicht einmal versucht ein Film der Marke "Basierend auf einer wahren Begebenheit" zu sein. - Ups! Jetzt hab ich es doch getan. 

Fei-hung taucht immer wieder mal als Charakter in Eastern auf. Unter anderem stellte Jet Li den prügelnden Doc in vier der sechs Once Upon A Time In China Filme dar. Nebenbei bemerkt, empfehle ich Tsui Harks Reihe ebenfalls. 


Police Story 

Auch wenn Jackie Chan bereits zuvor bekannt war, bedeutete erst Police Story von 1985 seinen endgültigen Durchbruch. Hier spielt er einen Cop der Hong-Kong-Police. Kevin Chan legt sich in den ersten drei Teilen dieser Reihe vor allem mit Drogenkartellen an. Der vierte Teil namens Erstschlag nähert sich deutlich mehr einer Art extra-beklopptem Bond-Setting an.

Alberne Comedy ist ein inhärenter Teil der DNA der Reihe, während es gleichzeitig immer wieder sehr düstere und drastische Momente gibt. Mir wäre es lieber gewesen man hätte den Humoranteil zurückgefahren und dem ernsten Drama den Vorzug gegeben. Das wäre den verhandelten Themen deutlich angemessener gewesen. 

Was auch diese Filme wieder brillieren lässt sind die ikonischen Setpieces. Sei es die Actionsequenz durch ein Armenviertel mit anschließender Verfolgung eines Busses per Auto und zu Fuß, der intensive Kampf auf einem fahrenden Zug und einem Helikopter, die Prügelei in einer Einkaufspassage, auf einem Kinderspielplatz oder einer verlassenen Lagerhalle.  


Mission Adler - Der starke Arm der Götter 

Da der Vorgänger Der Rechte Arm der Götter lediglich wie ein nett gemeinter erster Versuch wirkt, unterschlage ich diesen und gehe direkt zum inhaltlich unabhängigen Nachfolger über. Jackie Chan würzt hier viele etablierte Elemente aus seinen bisherigen Filmen mit ordentlich Indiana-Jones-Chipotle. 

Kunstsammler bzw. Artefaktdieb Jackie bekommt den Auftrag in der Sahara nach einem alten Bunker der Nazis zu suchen, wo man sehr große Mengen an Gold vermutet. Selbstverständlich ruft ein so großer Haufen Edelmetall die ganzen Elstern auf den Plan, die alle als Erster am Zielort sein wollen. 

Das Timing der Gags ist hier deutlich besser als in anderen Filmen des Actionstars, wenngleich über die gesamte Laufzeit klar wird, dass ihm kaum mehr einfallen wollte als die Frauen in seiner Reisegruppe zur Quelle der Lacher zu machen. Ja, das trifft auf viele seiner Filme zu, fällt hier bei gleich drei doofen Doppel-X-Trägerinnen jedoch stärker auf.  

Die Actionpieces wiederum glänzen mit Abwechslungsreichtum, Witz und vielen spaßigen Ideen. Da ich eine Schwäche für Abenteuerfilme habe, bietet der Plot für mich die notwendige Ausrede, ihm seine kleineren Schwächen wie die eine oder andere Länge zu verzeihen.

Über den vergurkten dritten Teil aus dem Jahr 2012 breite ich lieber den Mantel des Schweigens.


Total Risk/ Meltdown

Für Hong-Kong Actionfilme gehört es zum guten Ton nicht nur einen, sondern mindestens noch einen zweiten Namen auf dem Weltmarkt zu haben. Da macht die Stirb Langsam Parodie mit Jet Li in der Hauptrolle keine Ausnahme.

Frankie Lone (Jackie Cheung) ist ein Filmstar und Hasenfuß. Seine Stunts macht er nicht selber. Dafür ist er zu ängstlich und zu fein. Dafür darf sein Bodyguard Kit Li (Jet Li) einspringen. Als die beiden eines Tages eine Ausstellung in einem Hotel besuchen, stimmt ihr Stirb Langsam Timing auf die Minute. "Der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am falschen Ort." Eine Schurkenbande will nämlich die russischen Kronjuwelen stehlen und schreckt nicht vor Gewalteinsatz zurück. Fertig ist die perfekte Ausgangssituation für ein spaßiges Actionfeuerwerk. 

Man sieht dem Film an, dass das Budget stark limitiert war. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten Total Risk eine Chance zu geben.


Fantasy Mission Force

Bekannt geworden ist diese 1982 gedrehte Mo lei tau-Komödie hierzulande unter dem Titel Jackie Chan - Die Superfaust. Ja, so verzweifelt hat man sich in Deutschland an Strohhalme geklammert. - Martial-Arts Filme ohne Chan können ja nur floppen, ne?! -Andererseits kann ich mir nur zu gut vorstellen, dass man an der Aufgabe verzweifelte den Film hierzulande ehrlich zu vermarkten. Zu dubioses Skript, zu verrückt in der Ausführung. Dazu kommen viele kulturelle Anspielungen, die man nicht so ohne weiteres in Klaus-Jürgen-Wussow-Witze umwandeln konnte wie man es einst mit Al Bundy tat.

Jackie Chan macht übrigens wirklich in ein paar Szenen mit, Hauptdarsteller ist jedoch Jimmy Wang Yu. Doch worum geht es?

Während des Zweiten Weltkriegs lassen sich die Alliierten einige Generäle von den Japanern mopsen. Da die Chinesen ebenfalls mit den Nipponianern ein Hühnchen zu rupfen haben, heben sie ein Sonderkommando aus beloppten, halb talentierten Chaoten aus, das die Offiziere retten soll. Die Truppe begibt sich auf eine Reise, die ich zu den Acht bescheuerten Kostbarkeiten zähle. Im Grunde ist der gesamte Film ein unterhaltsamer Unfall. 

Aus chinesischer Sicht ist Fantasy Mission Force natürlich kein Versehen, sondern genau so gewollt. Der Humor von Mo lei tau (Kantonesisch für Unsinn) speist sich aus Situationskomik, Slapstik, popkulturellen Referenzen und Parodien. Am ehesten lässt sich dieses Genre mit westlichen Spoof-Filmen vergleichen. In der Absurdität des Plots erkenne ich hier jedoch auch Monty Python Qualitäten. Als diese Truppe beim Dreh von Ritter der Kokosnuss nicht wussste, wie man den Film sinnvoll beenden sollte, entschloss man sich einfach die Ritter von Polizisten verhaften zu lassen.

Wer mit solch rasanten Wendungen kein Problem hat und sich mal wieder richtig überraschen lassen will, muss diesen Film einfach sehen. Langweilig wird es hier garantiert nicht.


Liebesgrüße aus Peking

Den Mo lei tau im Westen salongfähig gemacht hat Stephen Chow spätestens mit Shaolin Soccers und Kung Fu Hustle. Sein Erstlingswerk Liebesgrüße aus Peking von 1994 atmet jedoch die gleiche DNA. 

Ling Ling Chat (Stephen Chow) verdingt sich seit einer Dekade seinen Lebensunterhalt als Metzger. Der in den Ruhestand versetzte Agent wird wieder in den aktiven Dienst zurückgeholt nachdem ein pöhser Pupe einen Dinosaurierschädel gemopst hat. Agentin Siu Kam (Anity Yuen) soll ihm helfen das Artefakt wiederzufinden, scheint jedoch gleichzeitig auf mehr Hochzeiten zu tanzen, als gut für sie ist.

Was ich für Fantasy Mission Force gesagt habe, gilt auch hier. Der Humor ist erfrischend absurd und die Action spaßig umgesetzt. Im Drehbuch dieser Bond-Verhohnepiepelung herrscht pure Anarchie. 

Wer sich schon immer gefragt hat, wie man nach einer Schusswunde langsamer verblutet, wird hier verstörende Antworten finden. Der Playboy wird nur wegen der Artikel gelesen und wer für Liebesgrüße aus Peking eine Ausrede benötigt, kann nun medizinisches Interesse heucheln.

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