Nachdem mich The Drifter im letzten Jahr angenehm überrascht hatte, kam in mir wieder etwas Adventure Laune auf. Drei weitere Titel hab ich seitdem gespielt, die sich für eine Weiterempfehlung eignen.
Zuerst wäre da der jüngste Kandidat mit dem verheißungsvollen Titel Earth Must Die. VValak Lizardtongue ist der Prinz des tyrythianischen Imperiums und ein ausgemachter Drecksack und Totalversager - ein Royal halt. Nachdem er sich auf den Thron geputscht hat, überfallen die Terranoiden eines schönen Tages seine Heimatwelt und übernehmen den ganzen Bums. VValak ist irritiert. Außer ihm scheint keiner ein großes Problem damit zu haben. Unverschämt! Schließlich ist er doch der große Zampano der Degenerierten! Also beschließt er zusammen mit seinem fliegenden Ammenbot Milky die Terraner auszulöschen.
Das Comedy Adventure von Size Five Games kommt in modernem Gewand und poppigen Farben daher und weiß neben seinen satirischen Anleihen mit einem sehr überzeugenden englischen Cast zu begeistern. Joel Fry, Tamsin Greig, Alex Horne und Ben Starr sind nur einige der Schauspieler, die den Figuren ihre Stimme liehen. Es gibt deutsche Texte, aber keine deutsche Sprachausgabe. Ebenfalls bei der Produktion verschütt gegangen: ein Inventar, wie es im Genre üblich ist. Alle Objekte, mit denen man Interagieren kann, befinden sich auf dem Bildschirm und werden in seltenen Momenten von Milky eingesackt, die die Gegenstände aber auch wieder automatisch auspackt, wenn sie gebraucht werden.
Das schränkt die Komplexität der Rätsel maximal ein. Oft ist hier der Dialog wichtiger als der gesamte Rest. Leider ist die Steuerung in manchen Szenen ein wenig ungenau geraten und man klickt sich wie ein Dilletant durch die Sequenz. Vielleicht wird ein zukünftiger Patch hier Abhilfe schaffen.
Ob man Spaß mit dem Adventure haben wird, hängt stark davon ab, ob einem der schwarze britische Humor liegt. Der zündet mit angenehmer Regelmäßigkeit und kann über das oft dröge Rätseldesign hinwegtrösten.
Darkside Detective von Spooky Doorway ist der zweite Kandidat und mit Erscheinungsdatum 2017/18 der Methusalem in der heutigen Auflistung. Da ich das Spiel aber erst neulich aufgrund einer Empfehlung für mich entdeckt hab, ist mir das egal. Der nette Nebeneffekt des höheren Alters: das Spiel ist immer wieder für schmale zwei bis vier Euro im Angebot.
Die Abenteuer des Chefermittlers der Darkside Division, Francis McQueen, werden in einem Pixel-Art Look dargeboten, der sich grafisch in der Zeit zwischen den Generationen von Zack McKracken/ Maniac Mansion und Loom einsortiert. Entsprechend zeitlos wirkt der reduzierte Stil heute.
Detective McQueen ermittelt in seiner Heimatstadt Twin Lakes City mehrere Fälle, die in sich geschlossene Geschichten erzählen. Das hat den enormen Vorteil, dass man nach einer gelösten X-Akte auch ein längeres Päuschen einlegen kann, bis man mal wieder Lust auf ein zwei bis vier Stunden langes Adventure hat.
Die Geschichten sind vollgestopft mit skurrilen Charakteren, bekloppten Einfällen und reihenweisen popkulturellen Anspielungen. Die Dialoge sind pointiert und nicht länger als sie sein müssen. Es gibt teutonische Vertextung, eine Sprachausgabe sucht man vergebens. Im direkten Vergleich zu Earth must Die muss man häufiger mal um die Ecke denken, da man hier auch ein Inventar hat, das allerdings nie Gefahr läuft überzuquellen.
Im Oktober letzten Jahres kam übrigens der neuste Titel von Spooky Doorway heraus. The Séance of Blake Manor schaut ebenfalls interessant aus, wirkt aber in der Vorschau eher wie ein übernatürliches Cluedo, das man mehrfach durchspielen muss, um den Fall lösen zu können, da mit jeder Aktion Ingame die Zeit verrinnt. Beizeiten werde ich Blake Manor wohl ebenfalls einen Besuch abstatten müssen.
The Dark Rites of Arkham ist der eigentliche Grund für diesen Post. Schon die Demo, die ich letztes Jahr ausprobieren konnte, hat mir richtig gut gefallen. Optisch wird Adventure Kost im Stil der frühen 90er Lucas Arts Adventures wie Indiana Jones and the Fate of Atlantis geboten. Wer sich damit abfinden kann lediglich englische oder spanische Texte vorzufinden - eine Sprachausgabe konnte sich Postmodern Adventures vermutlich nicht leisten - darf sich auf ein atmosphärisches Lovecraft Abenteuer freuen, das es mit den Anspielungen auf die verschiedensten Asprekte des erzählerischen Universums des Horror-Altmeisters vielleicht ein wenig übertreibt, aber bis zum Finale spannende Unterhaltung bietet.
Erneut spielt man einen Detective. Dieses Mal darf man Jack Foster und seinen neuen Partner Harvey Whitman durch die Straßen Arkhams der Dreißiger Jahre steuern. Dabei deckt man die Hintergründe eines rätselhaften Ritualmords auf, der irgendwie mit den Hexenprozessen in Salem 1693 verbunden ist und die Ermittler auf die Spur einer tiefergehenden, weltenvernichtenden Verschwörung bringen wird.
Der charmante retro Pixellook, die pointierten Dialoge und gut geschriebenen Charaktere machen The Dark Rites of Arkham zu einen modernen Klassiker des Genres. Dass die Rätsel obendrein noch nachvollziebar gestaltet wurden, ist die Kirsche auf der Torte. Man wird gefordert, aber bis zum Ende war ich nicht versucht in eine Komplettlösung zu schauen.
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Zwischen dem Schreiben des Beitrags und der Veröffentlichung konnte ich noch einen weiteren Titel abschließen, der ebenfalls von Postmodern Adventures stammt.
Ein ähnliches Loblied kann ich auch auf den Vorgänger An English Haunting anstimmen. Hier sucht man 1907 in der Rolle des Professors Patrick Moore nach einem verschwundenen Kollegen, dem die Veruntreuung von Geldern vorgeworfen wird. Gleichzeitig setzt der Dekan Moore die Pistole auf die Brust. Er muss binnen 72 h nachweisen, dass Geister existieren, damit seine Forschungsabteilung über das Übernatürliche nicht aufgelöst wird.
Insgesamt ist The Dark Rites of Arkham ein wenig runder geworden, aber Freunden von düsteren Geschichten kann ich beide Titel wärmstens ans Herz legen.



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