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Hefte und Stifte raus, wir schreiben einen Test!

Ab und zu sticht mich der Hafer und ich führe ein wenig Statistik. Ja, sehr Alman, ich weiß. Immerhin nehm ich mir interessante Objekte vor und... Ok, ok, für MICH interessante Objekte. Zufrieden? - Danke!

Da der EU-Release von Kill Bill - The Whole Bloody Affair gerade stattfindet, hab ich mich gefragt: ist der olle Quentin eigentlich erfolgreich genug, dass er es sich erlauben kann so viel Zeit zwischen zwei Filmen zu lassen? Ich meine, nur Tool sind mit ihren Albenreleases noch langsamer. Eine EP und fünf Alben versus neun Tarantino Filme. Der Vergleich bietet sich an, weil Reservoir Dogs und die EP Opiate beide 1992 erschienen sind, man also den gleichen Zeitraum betrachtet. Obendrein befindet sich meine Vorfreude auf ein neues Werk von Tool oder Tarantino auf einem ähnlich hohen Level. Bislang wurde ich von Beiden, wenn überhaupt, auf vergleichbar hohem Niveau enttäuscht, falls ich mal nicht so begeistert war.

Daher habe ich mir von den bislang veröffentlichten Filmen des amerikanischen Regisseurs, Autors und Schauspielers einige Daten gezogen. Damit man mein Geschwafel auch nachvollziehen kann, gibts das Spreadsheet hier zur Einsicht.

Vor allem habe ich mich für das Verhältnis von Budgets zu Einnahmen interessiert und wie die allgemeinen Wertungen ausgefallen sind. Die Zahlen kamen vor allem von Boxofficemojo.com und IMDB. 

Bevor die ewigen Erbsenzähler ums Eck kommen und mir vorwerfen, ich würde das Werbebudget unterschlagen: Ja, das wird oft nochmal in Höhe des Filmbudgets gehandelt und sollte natürlich mitbetrachtet werden. Ein Film muss gemäß der Faustregel also  mindestens das Doppelte einspielen, um sich zu rechnen. Sobald ein Film in der Liste in der Spalte "Gewinnfaktor" mindestens eine 2 stehen hat, war er erfolgreich. Für die Durchschnittswerte habe ich dann einmal für alle Filme gemeinsam das Werbebudget eingepreist. Dabei kam heraus, dass Tarantino im Schnitt mit seinen Filmen das 2,17-fache wieder reinholt. Man könnte ihn wirtschaftlich betrachtet also als sichere Bank für die Studios bezeichnen. Diskreleases, TV- und Streamingrechte usw. kommen schließlich noch obendrauf.

Die zwei unveröffentlichten Filme aus den 1980ern, Love Birds and Bondage und My Best Friend's Birthday, werden hier selbstverständlich ausgeklammert. Ebenso sind Beiträge zu Filmen anderer Regisseure bzw. Segmente in einer Kolloboration wie Four Rooms hier ebenfalls nicht vertreten. Wir reden über die neun Feature Filme beginnend bei Reservoir Dogs bis Once Upon a Time In... Hollywood

Eine Besonderheit in der Statistik hat sich jedoch nicht Eierlecken, ähm, ich meine Ausmerzen lassen: Das Double-Feature Grindhouse. Durch die unterschiedlichen Arten der Releases in den Staaten und im Rest der Welt in Kombination mit den schwammigen Budgetangaben, musste ich Planet Terror und Death Proof als einen gemeinsamen Datenpunkt betrachten.

Wie zu erwarten, standen Tarantino von Film zu Film grundsätzlich mehr Mittel zur Verfügung.  Hundert Millionen für Django Unchained waren 2012 das Maximum, das er bislang verbraten hat. Dass er für The Hateful Eight 2015 nicht einmal die Hälfte dessen bekommen hat, obwohl Django mehr als das Vierfache seines Budgets einspielen konnte, spricht dafür, dass Tarantino nicht immer nur mehr Geld verbrennen will, sondern Projektbezogen untschiedlich kalkuliert. The Hateful Eight ist mehr ein Kammerspiel. Dem Regisseur wird klar gewesen sein, dass ein solcher Film ein deutlich kleineres Publikum ansprechen wird und es unsinnig wäre Hollywoods damaligen Zeitgeistfetisch der maximal hohen Zahlen zu bedienen. Projekte mit unendlich Geld zu bewerfen macht sie nicht automatisch erfolgreich. Die Erkenntnis hat lange gedauert. Jedenfalls ging für Tarantino die Rechnung auf. The Hateful Eight konnte immerhin das 3,66-fache seines Budgets einspielen.

Der zuletzt erschienene Once Upon a Time In... Hollywood war günstiger als Django, kostete aber immerhin noch 90 mio US-Dollar. Dafür spielte der Film sein Budget um mehr als das Vierfache wieder ein. Zu rechtfertigen waren die deutlich höheren Kosten für dieses Projekt, weil erneut ein breiteres Publikum angesprochen wurde. Meine Annahme stützt sich auch auf die aufgebotene Starpower von Brad Pitt und Leonardo diCaprio. Es spielen immer hochkarätige Schauspieler:Innen in Tarantinofilmen mit, aber diese beiden Herren zogen zumindest damals noch an der Kinokasse.  Zudem versprachen die Trailer einen leichten, eher fröhlichen Sommerfilm, während The Hateful Eight doch recht düster daherkam.

In der Liste befinden sich zwei krasse Ausreißer. Pulp Fiction spielte das fast 27-fache seines Budgets wieder ein, während Grindhouse als einziger veritabler Flop die Mitte des bisherigen Portfolios markiert. Ich würde ebenfalls sagen, dass es sich um Tarantinos schwächsten Film handelt, aber hier spielte als Faktor sicherlich mit rein, dass sogar das US Publikum das Grindhouse Double-Feature Konzept der Siebziger nicht mehr kannte und schlicht nicht verstand, was Robert Rodriguez und Tarantino hier geschaffen hatten. Zudem fand der Release hierzulande als Einzelfilme ohne die Retro-Titlecards und Faketrailer statt. Obendrein wurden Langfassungen der Filme gezeigt, anstatt die absichtlich verstümmelten Versionen im Geiste des Grindhouse Konzepts auf die Leinwand zu bringen. 

Ich hatte zwar vermutet, dass sich die beiden Filme gegenseitig pi mal Daumen ausgleichen würden, aber erst eine zweite Tabelle ohne die beiden Titel konnte die Annahme belegen.

Bedeutet das jetzt, dass Tarantino objektiv betrachtet gute Filme macht und man keine andere Meinung mehr haben darf?

Nein! Dies ist keine qualitative Betrachtung seiner Filmographie. Es zeigt sich lediglich, dass er sehr erfolgreiche Filme ins Kino bringt. Jeder, der versucht anhand solcher Zahlen weiszumachen er könne inhaltliche Qualität messen, ist ein Dummschwätzer. Ich mag Denis Villeneuves Ouvre beispielsweise nicht. Seine Art Filme zu machen spricht mich meist nicht an. Ich finds prätentiös, unpersönlich, kalt, lieblos gemacht und oft stinkend langweilig. Jetzt könnte ich versuchen meinen Standpunkt mit der Durchschnittlichen IMDB Wertung von 7,6 zu untermauern. "Ätsch! Tarantino hat nämlich 8,01." Was wäre damit bewiesen? Nix!

Also zurück zur Ausgangsfrage: Ja, Tarantinos Kurs selten einen Film zu drehen, ist für ihn der richtige Weg. Bislang hat er pro Jahrzehnt je drei Filme veröffentlicht und mit der Zeit, die er sich gelassen hat, vermutlich deutlich die Chancen erhöhen, dass die Titel dann umso besser hitten konnten. 

Es bleibt zu hoffen, dass er sich mit seinem zehnten und letzten Film nicht auf dem letzten Meter ins Portfolio scheißt.


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