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When 2 become 1


Wenn eine Beziehung endet wird oft der oder die Schuldige gesucht. Schließlich muss doch jemand die Ursache für das Scheitern sein! Oder nicht? 

Es wird gern übersehen, dass für Wohl und Wehe einer Beziehungen immer alle Involvierten verantwortlich sind. An dieser Stelle klammere ich verlassene Prügelknaben, psychische Tricks anwendende Narzisten und dergleichen aus.  - Nur falls jemand in die Kommentare klugzuscheißen gedenkt. - Für die 08/15 Wald- und Wiesenbeziehung gilt die Prämisse. Oft ist mangelnde oder fehlerhafte Kommunikation eine der Hauptursachen für eine Trennung.  

Wer nicht in der Lage ist die eigenen Bedürfnisse auszudrücken oder Probleme anzusprechen, um sie gemeinsam zu lösen, wird genausowenig glücklich werden, wie derjenige, dessen Fähigkeit Zuzuhören unzureichend ausgebildet ist. Fehlende Empathie mag auch noch dazukommen. Vermutlich stammt jedoch die eher aus der Unkenntnis des seelischen Innenlebens des Partners. Mancher hat womöglich Angst die Bedürfnisse zu benennen. Was wenn der andere lacht oder sich deswegen aufregt? Anderen wiederum fehlt eventuell das Vokabular, das es ihnen ermöglichen würde, sich dem Partner oder der Partnerin zu öffnen. 

Am Ende haben bei einer Trennung alle Partner in der Beziehung gefehlt, selbst wenn man sich einfach auseinander gelebt hat und man tränenfrei getrennte Wege geht. Das soll kein Plädoyer sein, auf Gedeih und Verderb an einer Partnerschaft festzuhalten. Nur die Suche nach dem Bösen, dem man alle Schuld zuschieben kann, sollte man sich halt klemmen. Selbstredend ist es sinnvoll sich darüber im Klaren zu werden, woran es gescheitert ist, damit man in der nächsten Beziehung nicht wieder die gleichen Fehler macht. Ein Aufsummieren der einzelnen Verfehlungen, um einen Negativhighscore zu ermitteln, ist dabei aber unangemessen. 

Was gerne vergessen wird: man kommt nicht als unbeschriebenes Blatt in eine Beziehung. Jeder hat bereits davor existiert und bringt sein eigenes Gepäck mit in die Partnerschaft. Erfahrungen, Traumata, Ängste, Hoffnungen, Bedürfnisse und Erwartungen müssen miteinander austariert werden. Wer nicht mit sich selbst im Reinen ist, wird Schwierigkeiten haben voll für den oder die Andere da zu sein. So schön es wäre: kaum eine Beziehung kann in einem Graphen als eine steil nach oben gehende Linie dargestellt werden. Höhen und Tiefen gehören unausweichlich zum Leben dazu. Die Partner und damit ihre Beziehung wachsen im besten Fall daran und können tatsächlich zu einer Einheit transformieren.

Hat der dolle Onkel inzwischen auf Beziehungscoach umgesattelt oder ist ihm im Thalia ein Eso-Schmöker auf die Omme gefallen? Nein! Ich habe lediglich Together von Michael Shanks (Der nicht Der!) gesehen. In seinem Erstlingswerk, das er auch geschrieben hat, skizziert der Regisseur das Auf und Ab einer Beziehung mit den stilistischen Mitteln des Body-Horrors. Ihm gelingt der Drahtseilakt zwischen den Hauptfiguren Tim (Dave Franco) und Millie (Allison Brie). Allzu schnell hätte man der Versuchung erliegen können eine der beiden Seiten besser als die andere darzustellen. Ein wenig spielt er sogar mit dieser Erwartungshaltung der Zuschauenden, die stets einen Guten und einen Bösen Part in einem Film erwarten.

Brie und Franco stellen ihre Figuren mit vielen Zwischentönen dar. Sie machen es uns Zuschauenden schwer Partei für Tim oder Millie zu ergreifen. Beide fügen sich gegenseitig ohne böse Absicht Schmerzen zu, leiden mehr oder weniger im Stillen und verharren lange ängstlich vor einer Entscheidung, die alles verändern kann. Doch wird ihnen rechtzeitig bewusst werden, dass keine Entscheidung zu treffen ihre Beziehung auf jeden Fall zerstören wird? 

Dass das Innenleben der Protagonisten nicht en Detail in Expositionsdialogen zerquatscht werden, rechne ich Shanks hoch an. Er setzt ein Thema für den Film und verzettelt sich nicht wie viele andere Regisseure, indem er noch ein bisschen hiervon und davon mit hinein packt. Dadurch vermeidet er ein Verwässern der Message, was oft dazu führt, dass man am Ende nicht mehr sich sein kann, worum es denn nun eigentlich gehen sollte. 

Together ist eines der besten Beziehungsdramen, das ich in sehr langer Zeit gesehen habe. Auch wenn der Film in der Kategorie Body-Horror gelistet wird, kann ich ihn sogar all jenen empfehlen, die sich keine Horrorfilme anschauen. Es wird spannend, aber nie wirklich gruselig.  

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