Die entfremdeten Halbbrüder Jonny (Jason Momoa) und James Hale (Dave Bautista) müssen sich zusammenraufen, um den Mord an ihrem männlichen Genomspender aufzuklären. Beide eint das schlechte Verhältnis zu ihrem Vater und eine schwierige Kindheit. Im Grunde könnte man sagen: der alte Drecksack wurde verscharrt und hat wahrscheinlich bekommen, was er verdient hatte. Ei drüber schlagen, Bier auf und Prost! Dummerweise rückt den Brüdern der hawaiianische Ableger der Yakuza unangenehm auf die Pelle, weil Jonny einen Datenstick von Pappa Hale zugeschickt bekommen haben soll. Ebenso dumm für die Yakuzahanseln: Jonny ist Polizist in Oklahoma und übt sich in der Straßenprügelfassung des Drunken Master Kampfstils und James ist eine US Navy Robbe. Entsprechend blutig gestaltet sich die zweistündige Bewältigung der Kindheitstraumata.
Zwei miteinander im Clinch liegende Dudes, ein Kriminalfall und brachiale Action sind die Grundzutaten einer zünftligen Buddy-Cop-Action-Comedy. Leider gelingt es Regisseur Ángel Manuel Soto (Blue Beetle) nicht daraus ein schmackhaftes Gericht zu zaubern. Wie so oft scheißt einem das mangelhafte Drehbuch in die Zutatenliste. Dass Momoa und Bautista keine begnadeten Darsteller sind, geschenkt! Die müssen vor allem physisch Punkten. Dass der Plot so vorhersehbar wie wenig glaubwürdig ist, wäre ebenfalls halb so schlimm, wenn man sich mal entscheiden könnte, ob man lieber voll drüber oder total ernst sein will. In den ruhigen Momenten versucht man nämlich aus den Männekens ein echtes Familiendrama herauszukitzeln, das ich auch mit dem Zudrücken einer ganzen Legebatterie an Hühneraugen nicht abnehmen konnte. "Emotionen, Jason! Emotionen!", hört man Regisseur Soto aus dem Off rufen.
Besonders unglaubwürdig ist Jonnys Beziehung zu seiner On-Off-Flamme Valentina (Morena Baccarin). Die beiden versprühen zusammen ungefähr so viel Charme auf der Leinwand, wie ein drei Tage in der Sonne liegendes Mettbrötchen lecker duftet. Ich mag beide Darsteller, aber zusammen funktionieren die leider gar nicht. Neben ihren gemeinsamen Szenen wirken selbst die Romanzen in Hitchcock Filmen authentisch.
Während die Hand-to-Hand-Combatszenen richtig gut umgesetzt wurden und viel Spaß bereiten, sind andere Sequenzen inszenatorische Reinfälle. So zum Beispiel eine Verfolgungsjagd durch Neuseeland, Pardon, Hawaii: Vermutlich aus Kostengründen kam diese Szene aus dem Computer. Wie zu erwarten sieht das schlicht zum Kotzen aus. Das Endergebnis pendelt sich qualitativ irgendwo zwischen unterfinanziertem Youtube-Kanal und Playstation3 Zwischensequenzgrafik ein. Aus dem Rechner gegböbelte Digitalkotze, vereint mit miserabel ausgeleuchteten Liveaufnahmen und halbwegs kompetenter Schnittarbeit, wirkt halt so aufregend wie ein neues Muster auf der Bussi-Bärchen Klopapierrolle. Ich kann mich nicht entscheiden, ob das krisselige Bild ein Filmkornimitat zur Kaschierung der fehlenden Bildtiefe darstellen sollte oder einfach nur zu niedrig aufgelöste Renderbilder waren. Also Inkompetenz in zweiter Ableitung.
Warum man in ruhigeren Sequenzen ebenfalls immer wieder auf Computerlandschaft gesetzt hat, bleibt mir ein Rätsel. Glaubt man, dass die Leute das nicht sehen können oder gab man sich keine Mühe, weil die meisten ohnehin nur aufs Smartphone glotzen würden?
Überhaupt hatte ich bei The Wrecking Crew stets den Eindruck, dass man eine Idee umsetzte, die sogar bei der Fast & the Furious Crew durchgefallen war. Das Thema "the Family!!!!" steht jedenfalls ebenso präsent wie nervend an vorderster Stelle und schreit nach F&F-Spin-Off. Dabei hätte man hier das Konzept auch mal ironisch aufbrechen können. Da der Film aber wie bereits erwähnt zwischen bierernst und albern hin und her kippelt, kommt er aus dem Fahrwasser des strunzdummen Vorbilds nicht heraus.
Bei The Wrecking Crew handelt es sich um ein typisches Streamingprodukt. Das Drehbuch könnte von einem LLM zusammengestümpert worden sein, der Schnitt wurde automatisiert und die computergenerierten Platzhaltergrafiken hat man vergessen durch die finalen Versionen auszutauschen. Die Schauspieler sind halt so irgendwie, die Dialoge entlocken zumindest den Augen ein emotionales Rollen, manchmal ist auch ein gelungener Gag dabei. Die handgemachte Action macht sehr viel Spaß, wird aber durch zu viel uninteressantes Füllmaterial der Belanglosigkeiten unterbrochen, um mit Müh und Not zwei Stunden vollzubekommen. Da passt es auch, dass selbst Bobby Krlics (Returnal) Soundtrack irgendwie nur vorhanden ist. Tut nicht weh, weiß aber auch nicht zu begeistern. Fast alles an diesem Film ist ziemlich mid!
Hätte man die Arschbacken zusammengekniffen, ein spritzigeres Drehbuch zusammengezimmert, Ballast rausgeworfen oder sich dem Trash hingegeben, hätte aus The Wrecking Crew eine Perle werden können. So wird man sich schon bald nicht mehr an diese, vermutlich viel zu teure, Produktion erinnern werden.
Für eine Rechtfertigung ein paar Bierchen mit Freunden zu Zischen, reicht es gerade so noch aus.

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