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Zauberhaftes Würfelhack


Sofern ich es nicht bereits in einem der früheren Einträge erwähnt haben sollte, hole ich das hiermit entweder nach und wiederhole mich nun: ich mag Rollenspiele! 

Angefangen habe ich damals mit Attics Nordland-Trilogie von Das Schwarze Auge auf dem 386er, also zu Zeiten als noch Helmut Kohl die Bundesbirne im Kanzleramt gab. Selbstredend habe ich fröhlich darauf losgestümpert und hatte keinen blassen Dunst von dem, was ich da tat. Spaßig war es dennoch. Erst danach habe ich nach und nach auch die Pen&Paper Welt entdeckt. Los ging es mit AD&D, aber vor allem Shadowrun in den Neunzigern. Nach einer längeren Pause hab ich seit 2010 eine feste Spielegruppe, die ähnlich begeistert wie ich bescheuerten Hobbies fröhnt. Egal ob Cthulhu, Shadowrun, Pathfinder, Vampire, Stargate, Warhammer -  Death & Glory, Vaesen, Mörk Borg, Doomtown oder Legend of the Five Rings: bei uns ist Abwechslung King.

Während der Pandemie konnte man sich zwar online treffen, aber das war einfach nicht das Gleiche wie die Livetreffen vor Ort. Neben Whiteboard und Roll20 für's digitale Rollenspielen haben wir auch Brettspiele mit dem Tabletop Simulator ausprobiert. Weder das Eine, noch das Andere war ein Genuss.  Besonders die Steuerung vom Tabletop Simulator war mehr Krampf als Freude. In VR mit entsprechenden Handcontrollern hätte das wiederum sehr gut funktionieren können. Der Idee stehe ich also nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber. 
 
Ansicht in der Flatversion...
 
2021 veröffentlichte Resolution Games, ein kleines Team aus Stockholm, ein digitales Table-Top-Game namens Demeo. Der Titel ist für's Solospiel und Online mit bis zu drei Freunden oder Feinden ausgelegt. Obendrein unterstützt das Spiel sowohl die gängigen VR Systeme, als auch den herkömmlichen Monitor, bietet also auch eine Flatversion. Die Erwartungshaltung nach den ersten Screenshots musste man jedoch ein wenig einhegen. Ja, man meistert Dungeons, die wie einem Rollenspiel entsprungen wirken, aber mehr als Maps sind sie am Ende leider nicht. Demeo ist also lediglich ein sehr gutes, digitales Brettspiel, kein Rollenspiel. Es geht ausschließlich darum mit den Würfeln die Monster zu verkloppen und den Ausgang zu finden. Am Ende wartet ein Bossgegner und fertig ist die Laube. Demeo macht allerdings auch ohne Rollenspielmachaniken Laune, vor allem weil die intuitive VR-Steuerung einen direkt an den Spieltisch versetzt. 

... und hier in der VR Version.

Scheinbar kam man auch bei Wizards of the Coast auf den Gedanken, dass das Demeo-Spielprinzip im Grunde eine Machbarkeitsstudie war, denn man gab Resolution Games die AD&D Marke an die Hand, um aus Demeo mehr zu machen. Das Ergebnis dieser Kooperation veröffentliche man im November: Demeo x Dungeons & Dragons - Battlemarked. Einigen wir uns an der Stelle besser direkt auf Battlemarked für den Rest des Textes. Weder sind DDDB und TripleDB griffige Akronyme, noch sehen sie im Fließtext gut aus. 
 
 
Weiterhin dabei: der vereinfachte Demeo Würfel mit Treffer, Doppelter Schaden und Fehlschlag
 
    Battlemarked also. 
Endlich benötigt man weder Freunde vor Ort noch muss sich aus dem Haus bewegen, um ein Rollenspiel light genießen zu können. Doch was unterscheidet Battlemarked vom Vorgänger Demeo?
 
Weiterhin sucht man Aktionen wie Buffs, Debuffs, Fallen, Angriffe und Heiltränke aus einem limitierten Kartendeck von der Hand aus und Erwürfelt im Anschluss das Ergebnis. Zu dieser Mechanik gesellen sich nun auch Gespräche, Nebenquests und Zufallsereignisse mit einem klassischem 1W20 Würfelcheck. Im kleinen Rahmen darf man sogar Entscheidungen treffen. Damit bleibt Battlemarked immer noch weit hinter den Möglichkeiten des Genres zurück, ist nun aber deutlich näher an das Spielgeschehen am echten Tisch herangerückt. Vor allem im Koop macht es richtig Laune, sich mit den Aktionen abzustimmen und besonders effektiv durch die Monsterhorden zu schnetzeln. Das geht selbstverständlich Rundenbasiert vonstatten. Geschicklichkeit wird für Battlemarked nicht benötigt. Im VR Modus finde ich die Steuerung weiterhin deutlich angenehmer als mit Controller, aber beides funktioniert gut. Es macht halt einen Unterschied, ob man mit Figuren und Würfel per Handcontroller direkt interagiert oder ob man ein klassisches Interface als Krücke benutzen muss. Der Clou wäre noch die Implementierung von Hand-Tracking, aber vielleicht wird das ja noch was mit einem Update.

Auf der Karte wird das nächste Ziel ausgewählt.


Die Heldenfiguren lassen sich rudimentär farblich anpassen und man darf den Sekundären Fertigkeitsbaum frei wählen. Das ist von einem echten Charaktereditor natürlich Lichtjahre entfernt. Als echten Minuspunkt würde ich das jedoch nicht bezeichnen. Das Budget für solche Spielereien war sicherlich nicht allzu groß. Wichtiger finde ich da das Flair, das die Szenen dank der stilvollen Gestaltung verbreiten. Besonders profitiert die Atmosphäre von den tollen englischen Sprechern der Figuren. Keine Sorge: es gibt passende deutsche Untertitel.

Bislang darf man zwei Kampagnen erleben. Die eine spielt in den Forgotten Realms, die andere in Icewind Dale. Auf einer Karte navigiert man zu den verschiedenen freigeschalteten Orten, redet, kämpft, lootet, managed das Kartendeck und sammelt XP für einen rudimentären Talentbaum. Die Geschichten sind nicht übermäßig komplex oder überraschend geschrieben, aber es macht Laune der Handlung zu folgen. Jede Kampagne wartet mit zwei größeren Dungeons und mindestens drei Bosskämpfen inklusive abwechslungsreich gestalteten Mechaniken auf. Die Dungeons sind zufallsgeneriert und sehen daher bei jedem neuen Durchlauf immer anders aus. Obendrein können sie gezielt angesteuert werden, ohne dass man dafür die Kampagne erneut spielen muss. 
 
Mit einem Freund zusammen habe ich etwas mehr als zwanzig Stunden gebraucht und freue mich auf die kommenden Kampagnen, die Resolution Games angekündigt hat. Bleibt am Ende nur der Wunsch Baldur's Gate 3 in einer Demeo Variante zu bekommen.  Alles wird in VR einfach besser.
 
Gespielt auf PSVR2 

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