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"Kill! KILL! KILL! Ah, daiiiii! DAII! KILL!"

Als Harry Tasker (Arnold Braunschweiger) - Computersoftware Saldes Dude bei Tage und Spion bzw. Ein-Mann-Armee bei Nacht - herausfindet, dass seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis) möglicherweise fremd geht, zerbricht seine Welt. Er entscheidet ein Sabbat-Jahr einzulegen, schnürt sein Bündel und reist um die Welt. In einem Kloster auf dem Himalaja trifft er nach zahlreichen Abenteuern sein wahres selbst und findet wieder mit seiner Frau zusammen. Endlich hat er sein Leben wieder im Griff.

... Natürlich nicht! 

Das ist kein Film für Erwachsene, sondern für Freunde des gepflegten Wegsprengens. Stattdessen missbraucht Tasker die Mittel seiner Organisation Omega Sector, um die fiese Type ausfindig zu machen. Er schnappt sich den Nebenbuhler (Bill Paxton) und Helen mit Hilfe eines Überfallkommandos. Um herauszufinden, ob sie wirklich fremdgegangen ist und ob sie ihren Mann noch liebt, verhört Tasker - wie ein erwachsener Mann das halt so macht - seine Frau. Als klar wird, dass ihr bloß langweilig daheim ist, wenn sie auf ihn warten muss, gibt er ihr einen kleinen Spionageauftrag, um ihren Alltag aufzupeppen. Damit sie das Therapieangebot auch annimmt, muss er sie nur ein bisschen verängstigen und unter Druck setzen. Manche Leute müssen einfach zu ihrem Glück gezwungen werden.

Selbstredend hat keine der Handlungen von Harry je auch nur eine einzige Konsequenz im Film. Er kommt mit allem durch. Warum? Als Protagonist hat er Plotarmor und ein Dorf an arabischstämmigen Terroristen umgeschnallt bekommen. Die gibts nämlich in Akt eins und drei des Films en Gros zu töten.

Bereits 1994 erschien James Camerons Remake des französischen Films La Totale! (dt: Der Joker und der Jackpot) von 1991. Dass True Lies ein relativ kurzfristig eingeschobenes Ersatzprojekt für eine nie realisierte Spider-Man Verfilmung mit Michael Biehn ist, merkt man dem Film durchaus an. Nicht dass er billig produziert sei oder schlecht aussehen würde - das auf keinen Fall! Bis dato hatte Cameron ein Creature-Feature, zwei Terminator-Filme, einen Alien-Film und The Abyss gedreht. Eine Action-Komödie fiel damals komplett aus dem sonstigen Portfolio heraus. So lustig war keiner seine Filme davor und keiner mehr danach gewesen. Obendrein wurden viele ikonische Bilder für True Lies erschaffen. Sei es die Verfolgungsjagd durch die Stadt zu Pferd, die Kussszene vor dem Atompilz oder wie Arnie eine Kampfsequenz auf und in einem Harrier bestreitet. Das Drehbuch hält aber nur durch ganz viel Ducktape und Spucke zusammen.

Wie schlägt sich also der Film in der Nachbetrachtung? Kann das weg oder muss das unbedingt bleiben? Ich kann die Kritik am inkonsitenten Plot verstehen. Der zweite Akt bremst True Lies schon fast zu arg aus, auch wenn hier auch viele gute humoristische Momente dabei sind. Zudem kann man sich bei der Art, wie der entmannte Tasker seiner Frau nachstellt,  nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Außerdem ist es sehr zuvorkommend von den Terroristen mal für eine halbe Stunde Pause zu machen, damit sich dieser Handlungsfaden entwickeln kann. 

Was Cameron und Schwarzenegger machen wollten, war eine Action-Komödie mit Bond-Anstrich. Die funktioniert auch über weite Strecken. Allerdings hat der Reifungsprozess dem Film eine weitere, unbeabsichtigte Metaebene verliehen. Ich glaube nicht, dass sie damals schon sichtbar war, denn True Lies spiegelt durchaus den 90er Zeitgeist wieder: Nach mir die Sintflut! 

Jedenfalls, als ich mir den Fiilm neulich nochmal anschaute, nahm ich folgendes wahr:  Arnie haut  One-Liner raus, die Gegner schießen schlechter als die Sturmtruppen. Obwohl der Held mitten auf der Gass rumsteht, ist er nicht zu treffen. Er kann jede Waffe bedienen, jedes Fahrzeug steuern und geht als Naturgewalt durch alles durch, was man ihm entgegen wirft. Das ist 80er Arnie wie in Phantomkommando - aber auf Koks und in fett produziert. Das ganze wird dann mit einem Superspion kombiniert, der quasi impotent wird, als ihm seine Frau untreu ist und in der Folge wie ein Kleinkind handelt. Die Terroristen werden derart drüber in ihrer Bösartigkeit dargestellt, dass sie zu Comicbösewichten mutieren. Nicht eine einzige Szene kann man heute noch für voll nehmen. Unbeabsichtigt mutierte True Lies in der Nachbetrachtung nicht nur zu einer Persiflage der alten Arnie-Schinken, sondern des gesamten Testosteron gesättigten Actionkinos dieser Jahrzehnte.

Also ja, man kann auch heute noch durchaus Spaß mit dem Film haben. Am besten kombiniert man das mit dem Trinkspiel: Wer sieht den Stuntman!?

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