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Feines Samuraifilet

  Sechs Jahre sind vergangen, seit man in Ghost of Tsushima in der Rolle des Samurai Jin Sakai die namensgebende Insel von den marodierenden Mongolenhorden befreien musste. Im Nachfolger darf man als Söldnerin Atsu zu Beginn des 17. Jahrhunderts die Region Ezo rund um den Berg Yōtei sicher machen. Hier sorgen die Yōtei Six seit einiger Zeit für Unruhe. Deren Anführer Saito macht dem dort heimischen Matsumae Clan die Rolle als Herrscher streitig. Atsu steht jedoch nicht im Dienst der Matsumae. Sie ist aus sehr persönlichen Gründen in ihre alte Heimat zurückgekehrt. In ihrer Kindheit überfielen die Yōtei Six ihr Zuhause, schlachteten ihre Familie ab, und ließen sie zum Sterben zurück. Das Erlebnis hat sie nachhaltig verstimmt.  Ghost of Yōtei bietet also eine klassische Rachestory im Setting des feudalen Japan.    Im Vorfeld des Release hat es mal wieder die üblichen Leute getriggert, dass man nicht nur einen anderen Charakter spielen muss, nein! Man hat es obendrein ...

Neues vom Mann aus Weißblech

  Es gibt Genres, die das Kino ihrer jeweiligen Zeit maßgeblich mitgeprägt haben. Beispielsweise  Screwball Komödien in den 30ern, Film Noir Krimis in den  40ern, Western in den 50ern, zwei Jahrzehnte später waren es unzählige Katastrophenfilme, aber auch das sich weiter entwickelnde Horrorkino. Die Achtziger boten Abenteuer versprühende Blockbuster, gefolgt vom billo CGI-Kino der 90er - Hust, Tiefschlag! - und seit 2008 werden wir vor allem mit Superheldenverfilmungen gequ... ähm, beglückt. Ja, auch ich hatte anfänglich mit vielen Marvel Filmen meine Freude, aber allerspätestens mit Endgame war bei mir die Luft raus. Hätte dieser Film eine Existenz abseits der totalen Grützigkeit gefristet, es wäre mir einfach gefallen, damit ein Filmkapitel zu schließen und es in guter Erinnerung zu behalten. Für mich rangiert das Finale der dritten MCU-Phase jedoch auf einer Höhe mit der desaströsen letzten Game of Thrones Staffel und - Uh, Boy, don't get me started!  Was Marvel...

Ästhetische Sollbruchstellen unter sich

Bist du unzufrieden mit deinem Leben? Alt, verbraucht und schon gut abgehangen? Brennt dein Anblick wie Rauch in den Augen? Heulst du insgeheim deinem unerfahrenen, aber hübscheren Vergangenheits-Ich hinterher? In dem Fall haben wir genau das Richtige für dich! Heißer Shice, der einmal injiziert, ein Wunder bewirkt.  Elisabeth Sparkle (Demi Moore, Ghost, G.I. Jane ) glaubt sie habe sich in eine Netzhautpeitsche verwandelt und würde dringend ein solches Wunder benötigen. Das ist wie mit den Dünnen, die sich für die Dicksten im Raum halten. Die Schauspielerin ist seit Jahrzehnten im Geschäft und beätigt sich aktuell als TV-Fitnesscoach. Elisabeth gilt quasi als Legende in ihrem Fach. Doch der unbarmherzige Zahn der Zeit nagt an jedem. Weil Einschaltquoten leider die einzig gültige Metrik im Biz darstellen, schiebt ihr  Produzent (Dennis Quaid, Enemy Mine, Reise ins Ich ) ihr Format aufs Abstellgleis.    Nachvollziehbar, dass sie mächtig Frust schiebt, als die Einl...

"Kill! KILL! KILL! Ah, daiiiii! DAII! KILL!"

Als Harry Tasker (Arnold Braunschweiger) - Computersoftware Saldes Dude bei Tage und Spion bzw. Ein-Mann-Armee bei Nacht - herausfindet, dass seine Frau Helen (Jamie Lee Curtis) möglicherweise fremd geht, zerbricht seine Welt. Er entscheidet ein Sabbat-Jahr einzulegen, schnürt sein Bündel und reist um die Welt. In einem Kloster auf dem Himalaja trifft er nach zahlreichen Abenteuern sein wahres selbst und findet wieder mit seiner Frau zusammen. Endlich hat er sein Leben wieder im Griff. ... Natürlich nicht!  Das ist kein Film für Erwachsene, sondern für Freunde des gepflegten Wegsprengens. Stattdessen missbraucht Tasker die Mittel seiner Organisation Omega Sector, um die fiese Type ausfindig zu machen. Er schnappt sich den Nebenbuhler (Bill Paxton) und Helen mit Hilfe eines Überfallkommandos. Um herauszufinden, ob sie wirklich fremdgegangen ist und ob sie ihren Mann noch liebt, verhört Tasker - wie ein erwachsener Mann das halt so macht - seine Frau. Als klar wird, dass ihr bloß lan...

Machine Head und der Irrelevanten-Report

Wann immer etwas Schreckliches auf der Welt geschieht, stellen die Menschen die nachvollziehbaren Fragen nach dem Wer, Warum und Wieso hat man das nicht verhindert? Gerne wird im Zuge der öffentlichen Diskussion dann der Ruf nach mehr Polizei laut. Die fordert im Anschluss selbstredend, wie viele oftmals sehr konservative Politiker, mehr Ausrüstung zur Überwachung der Bevölkerung ein. Grundrechte sind dabei natürlich im Weg. Besonders wenn wie bei uns anlassloses Datensammeln verboten ist. Über die Qualität der Umsetzung dieses Grundsatzes darf an dieser Stelle freilich diskutiert werden. So nutzen einige Bundesländer bereits Software von Palantir, um große Datenmengen in Ermittlungen auszuwerten. Stellt sich an dieser Stelle die Frage, wo die Daten herkommen und ob deren Vorhaltung überhaupt rechtens ist.  Ich schreibe diese Zeilen übrigens zu einem Zeitpunkt, als man mal wieder die Vorratsdatenspeicherung aus dem Grabe schleift und implementieren will. Man kann ja nur dagegen sei...

I Love The Smell Of Genocide In The Morning

Wer beim zynischen Titel eine Augenbraue lupft, wird bereits ahnen, dass heute weniger leichte Kost geboten wird. Krieg ist allgegenwärtig. Fast durchgehend wird irgendwo auf dem Planeten gekämpft. Aus religiösen oder ethischen Gründen, um Ressourcen, um eine Ideologie zu etablieren oder aus kleingeistigen Eitelkeiten heraus. Kein Wunder, dass der Krieg© auch in allen Formen der Unterhaltung zum Ausdruck kommt. Musik, Buch, Film und auch in Videospielen. Aber um der Fallout Reihe zu widersprechen: Krieg ist nicht immer gleich. Der Umgang mit dem Thema in Spielen bewegte sich lange Zeit eher auf dem intellektuellen Niveau einer eingeklemmten Vorhaut. Laut, edgy und ganz viel "Murica, f*ck yeah!" - Call of Duty war lange Zeit der Platzhirsch im Shootergenre und gab den Ton vor. Ich hatte mit den Kampagnen durchaus auch meinen Spaß, aber Aktionen wie der Level No Russian in Modern Warfare 2 waren billigste Shocker, um Aufmerksamkeit zu generieren. Solche Nummern fand ich bere...

Herzpockensaison in Eriksholm

Die Stadt Eriksholm wird von einer Seuche heimgesucht. Viele Menschen sterben an der Erkrankung und eine Therapie scheint es nicht zu geben. Zudem deuten sich weitere politische Spannungen an. In dieser höchst nervösen Phase, ist Hanna unlängst von ihrem Infekt mit den Herzpocken genesen, als Polizisten auftauchen und ihren Bruder Herman suchen. Wenn man schon ihm nicht Habhaft werden kann, soll Hanna mit aufs Revier kommen. Aus Angst, dass eine Zelle auch ihr Grab werden könnte, muss sie der Polente entkommen und ihren Bruder suchen.  Ja, es sind wahrhaft paradiesische Zeiten im fiktiven Ort Eriksholm, dessen Design an skandinavische Städte zu Beginn des letzten Jahrhunders erinnern soll. An jedem Ort verströmt das Spiel eine bedrohliche Atmosphäre. Die Stadt wird von Schmutz und Blut zusammengehalten. Es gibt einen starken Kontrast zwischen Arm und Reich, der durch die allgegenwärtige und brutal vorgehende Polizei noch verstärkt wird. In diesem Setting müssen die Spieler Hanna du...