Nachdem ich in meiner ursprünglichen Einleitung zu diesem Beitrag komplett eskaliert bin, blieb nur noch die Zweiteilung. Allgemeines zum Thema Trashfilme und wie ich sie rezipiere referierte ich im ersten Part. Kommen wir nun also zum eigentlichen Grund, warum ich überhaupt zu Schreiben angenfangen hatte: Steven Kostanski.
Wie bereits letzte Woche erwähnt handelt es sich bei dem kanadischen Filmemacher um ein Multitalent. Der früheste Eintrag, den ich finden konnte, bezieht sich auf den Film Capote von 2005. Dort nahm er als Prosthetics Shop Assistance an der Produktion teil. Dem Thema Masken, Make-Up und Prostetik ist er bis heute treu geblieben. Inzwischen haben sich noch das Drehbuchschreiben, Produzieren und die Regiearbeit hinzugestellt. Ab 2006 begann er selbst Filme zu Drehen. Los ging es mit Kurzfilmen wie Fantasy Beyond und Lazer Ghosts 2. Fünf Jahre später folgte mit Manborg der erste Spielfilm. Bis heute hat er insgesamt sieben Trashfilme umgesetzt, zwei davon in Kooperation mit befreundeten Regisseuren. In diesem Beitrag werde ich auf drei der Filme näher eingehen.
The Void (2016)
Der Horrorfilm entstand in Zusammenarbeit mit Co-Autor und Regisseur Jeremy Gillespie und spielt im ländlichen Amerika. Der Polizist Daniel Carter (Aaron Poole) findet des Nächtens einen schwer verletzten Mann im Wald und bringt ihn ins nahe gelegene Krankenhaus. Bereits kurz nach der Ankunft beginnen sich die Menschen seltsam zu verhalten. Vollkommen aus dem Nichts heraus ersticht eine Krankenschwester den verletzten Mann und muss von Carter ins Nachleben befördert werden. Da etwas gehörig faul im Staate Dänemark ist, entscheidet er sich Verstärkung zu rufen. Doch draußen an seinem Wagen muss er feststellen, dass die Klinik bereits von mysteriösen Gestalten in weißen Kutten umstellt wurde. Nach und nach wird klar, dass es vor den Häschern des Kults vor dem Krankenhaus und dem Horrer, der im Gebäude auf ihn wartet, kein Entkommen gibt.
Während Schauspiel und der etwas holpernde Plot so ziemlich die größten Kritikpunkte darstellen, wissen Gillespie und Kostanski alles aus dem umfangreichen Budget von rund 83.000 US-Dollar herauszuholen. The Void ist ein Paradebeispiel dafür wie viel wertiger ein Film aussehen kann, wenn die Menschen an Lichttechnik und Kamera wissen, was sie tun. Insbesondere die Kreaturen-Effekte überraschen vor dem Hintergrund der finanziellen Mittel. Man merkt, dass es sich um ein Herzensprojekt des Duos handelt. Wenn sich mit dem Mysteryplot nach und nach Versatzstücke von kosmischem Body-Horror frei nach Lovecraft vermischen, kommt mehr Spannung auf, als man zu Beginn erwarten durfte.
Psycho Goreman (2020)
Die Geschwister Mimi (Nita-Josée Hanna) und Luke (Owen Myre) finden beim Spielen im Garten die Überreste eines Meteoriten. Der funkelnde Edelstein entpuppt sich jedoch als ein defektes Gefängnis. Darin eingesperrt war eine Kreatur, die alles Leben im Universum auslöschen will: Psycho Goreman. Nun befreit könnte PG sein Ziel weiterverfolgen, wäre da nicht ein klitzekleines Detail, das ihn daran hindern würde: Er ist zwar frei, aber an den Edelstein gebunden. Also muss er den Weisungen desjenigen Folge leisten, der im Besitz des Steines ist. Bei all seiner Macht muss PG zu seinem Leidwesen lernen, dass er gegen die Launen eines soziopathischen Mädchens keine Chancen hat.
Derweil schickt die Planetare Allianz ihre beste Kriegerin los, um die Kreatur ein für allemal zu vernichten. Doch auch Racheengel Pandora hat ein Mädchen namens Mimi nicht auf ihrer Bullshit-Bingo-Karte vermerkt...
In PG wendet sich Kostanski vom Horror ab und spendiert uns eine SciFi-Fantasy-Spaßgranate mit einer ordentlichen Portion Blutgespratzel. Der Gag, dass ein kleines Mädchen seine Umwelt terrorisiert, läuft sich dank Darstellerin Nita-Josée Hanna nicht binnen zehn Minuten tot. Sie liefert eine derart übersteigerte Performance ab, bei der selbst Nick Cage ein bisschen neidisch werden könnte. Wenn jemand Spaß am Set hatte, dann dieses zwölfjährige Mädchen.
Kostanski stand ein aufgestocktes, aber weiterhin schmales Budget von um die 670.000 US-Dollar zur Verfügung. Herausgekommen ist eine Komödie, die sich nicht wie eine Parodie an Vorbildern abarbeiten muss, sondern für sich stehen kann. Sein Faible für das Absurde wird spätestens hier mehr als deutlich.
Frankie Freako (2024)
In den Achtziger Jahren lebt Yuppie Conor (Conor Sweeney) sein langweiliges Spießerleben. Dass der Workaholic so aufregend wie ein Stück Kreide vor einer weißen Wand ist, reiben ihm sein Boss und seine hübsche Frau ihm regelmäßig unter die Nase. Doch als er eines Nachts im Fernsehen Werbung für eine Party-Hotline sieht, entschließt er es allen zu zeigen. Er wird da anrufen und auch mal total ausflippen und mega Party machen. Dann wird ihn niemand mehr Spießer nennen! Gesagt, getan und er bereut seinen Mut sogleich wieder. Drei außerordentlich seltsame Kreaturen tauchen bei ihm auf, stellen sein Leben auf den Kopf und zertrümmern seine Bude. Obendrein weigern sich die Arschgeigen durch das Loch in der Wand dorthin zu entschwinden wo sie hergekommen sind.
Man schätzt, dass Kostanski ein ähnlich hohes Budget wie bei Psycho Goreman zur Verfügung hatte. Dieses Mal handelt es sich um eine Hommage an den Puppenhorror, der in den Achtzigern seine Blütezeit hatte. Nun, ich glaube, es ist nicht allzu verwegen zu behaupten, dass selbst damals der Faktor Comedy mehrheitlich im Vordergrund stand. Look und Feel der alten Schinken wird meiner Meinung nach ziemlich gut getroffen. Selbst der cheesy Humor im Finale ist von der Sorte, der bereits damals wie ein todkranker Hund hätte erschossen werden müssen.
So versucht sich Frankie Freako nachträglich in eine Filmografie bestehend aus Werken wie Gremlins, The Gate, Ghoulies, Critters, Hobgoblins und Puppet Master einzufügen und tut so als wäre er schon immer dagewesen, bloß übersehen worden. Ich rate jedem beim Anschauen so zu tun, als wäre der Film tatsächlich aus den Achtzigern, da er am besten durch die retrospektive Brille funktioniert. Sieht man ihn als Blast from the Past, lässt er sich wunderbar genießen.
Frankie Freako ist auf keinen Fall ein schlechter Trashfilm, aber bisher Kostanskis schwächster. Eines ist er jedoch auf keinen Fall: langweilig. Und am Ende kommt es nur darauf an.
Somit rate ich jedem Schundfilmconnoisseur einen Blick in Kostanskis Portfolio zu werfen. Es lohnt sich.
2026 findet dann auch hoffentlich sein neuester Eintrag in die Deathstalker-Reihe ihren Weg zu uns nach Deutschland. Es wird immerhin nicht alle Tage ein neuer Sword & Sorcery Film geboten. Ich habe hohe Trashfilmerwartungen. Wehe die werden enttäuscht!



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