... The Big Door Prize...
Himmelarschundzwirn! Es gibt Namen, die man sich nicht in Erinnerung rufen kann, selbst wenn das eigene Leben davon abhinge. Hielte man mir eine Pistole an die Stirn und würde verlangen den Namen der belanglosesten Bewegtbildproduktion zu nennen, die ich 2025 gesehen habe, ich würde sagen: "Drück ab! Das wird nix mehr." Kein Scherz! Ich musste den Namen zunächst nochmal in der Suchmaschine finden, nur um gerade eben erneut zur ersten Zeile dieses Textes zu schielen, weil ich mir bereits nicht mehr sicher war. Funfact am Rande: während ich am Text arbeitete, kam meine Frau kurz rein und wollte wissen, um was es diesmal gehen würde. "Die Chris O'Dowd Serie, die wir geschaut haben.", antwortete ich ihr, worauf sie die Stirn in Falten zog und beim Rausgehen meinte, dass sie sich den Titel der Show Null merken kann. Immerhin bin ich nicht allein mit dem Problem.
Das finale Verdikt habe ich bereits gespoilert, also schleichen wir direkt zur Synopsis weiter. In Pupshausen, einem US-Amerikanischen Copy-Paste-Kleinstädtchen, taucht im Gemischtwarenladen von Kalkhirn McGreedy eine Maschine auf, die zunächst Videospielvibes versprüht, aber eher die Wahrsagerautomaten auf amerikanischen Jahrmärkten arbeitslos machen will. Wer sich in die Kabine setzt und Fingerabdrücke und Sozialversicherungsnummer abgibt, bekommt ihr oder sein "wahres" Potential offenbart. Da in Pupshausen nie nix los ist, probiert man sich natürlich fröhlich an der Maschine aus. Als wäre man kollektiv der Midlife-Crisis verfallen, krempeln die Pupshausener ihre Leben um, um ihrem wahren Potential nachzueifern. Dabei ganz vorne mit dabei: der typische Kleinstadt-Klatsch & Tratsch in Kombination mit einem Kindergartenverhalten, für das man sich bei Erwachsenen nur fremdschämen kann.
Aus der Prämisse könnte man einiges machen. In Ansätzen versucht man das auch in... äh Prize Door umzusetzen. ... Ich bin mir sicher, dass das jetzt so halb richtig war. ... Jedenfalls: Nach einem durchaus interessant und humorvoll gestalteten Einstieg ins Setting, verliert man sich in einem dröge dahinplätschernden Plot, in dem nichts echte Konsequenzen nach sich zu ziehen scheint. Dinge passieren. Man täuscht Entwicklung an, dann ist den beteiligten Figuren wieder alles wumpe. Man dreht sich im Kreis. Danach passieren andere Dinge usw usf. Die Menschen existieren scheinbar in einer Parallelwelt, wo Erwachsene sich per Default wie unerfahrene Teens gerieren müssen. Ich ahne, warum die Charaktere und die schrecklichen Fließbanddialoge exakt so und nicht anders geraten sind: man hatte mal wieder eine Idee für einen einzelnen Film, aber irgendwie musste daraus eine Serie entstehen. More Content! Also tut man im Vorspann so als wolle man sich nun dem Schicksal von Nebenfigur X zuwenden, nur um den Fokus am Ende doch wieder auf Familie Schnarch von Chris O'Dowd zu legen.
Ja, es gibt einzelne Szenen, die recht gelungen sind. Manchmal greift sogar der Humor... ein bisschen zumindest. Die meiste Zeit über hab ich mich aber gefragt, warum mich das Schicksal dieser Alltagsversager interessieren sollte. Kein Charakter hat etwas Hörenswertes zu Sagen. Irgendwie will man gleichzeitig eine Feelgood-Serie sein, aber auch total deepe Aussagen treffen wollen. Tiefgründiger als ein aufgeweichter Glückskeks oder eine rosa-lila eingefärbte Insta-Kachel mit x-beliebiger Influencerplatitüde darauf wird es allerdings nie. Ich hab schon philosophischere Wortspenden aus der Brust gejodelt, nachdem ich mir den großen Zeh an der Tür gestoßen habe.
Handelt es sich bei der Pricy Big Door Serie also um richtigen Schrott? Nein. So weit würde ich nicht gehen. Irgendwo zwischen harmlosem Humor und uninteressantem Drama positioniert sich diese Serie gewordene Zeitverschwendung mit Fokus auf.... ja auf wen eigentlich? Als Zielpublikum fallen mir nur harmoniesüchtige Menschen ein, die etwas völlig Belangloses laufen lassen wollen, während sie die Schlagzeilen bei einem News-Outlet lesen. So als emotionale Kompensation zu schlechten Nachrichten. Dann wären da noch solche, die nach dem Drücken des Play Buttons den Raum verlassen, um außer Hörreichweite etwas ganz anderes zu machen, sich aber irgendwie besser fühlen, wenn sie am Tag wenigstens für etwas Traffic gesorgt haben. Patienten, die an Schlaflosigkeit leiden, sollten vielleicht mal reinschauen. Möglicherweise kann die Serie hier Abhilfe schaffen. Ich drücke ganz dolle fest die Daumen. Kein Sarkasmus an der Stelle. Würde es die Existenz von Big Prince at the Door und seinen zwei (!) Staffeln immerhin rechtfertigen.
Kein Wunder, dass ich mir den Titel der Chris O'Dowd Serie auf AppleTV nicht merken kann. Nahezu alles daran ist so außerordentlich vergessenswert, man könnte einen Award dafür vergeben, wenn sich die Idee zwischen Synapsentätigkeit und Umsetzung nicht wieder verlieren würde. - Was wollte ich eben noch machen? - Vermutlich unterläge sogar das Testbild in dieser Kategorie. Ich gehe noch weiter: Neben dieser Serie geht das Freizeichen bei Analogtelefonie als Hörspiel durch.
Nach neun der zehn Folgen von Staffel eins hab ich jedenfalls die Schnauze voll. Da schau ich dann doch lieber Raufasertapete an oder versuch die Zellteilungen in mir zu fühlen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen